533
heben. Denn wir haben schon viele Zeugnisse aus derSchrift angeführt, in denen die göttliche und menschlicheNatur von einander unterschieden werden, und es giebtderen noch mehrere, welche auch die Streitsüchtigsten zumSchweigen bringen können. Ich werde bald noch einigeanführen, welche jenen Wahn noch besser zerstören sollen.Für jetzt wird dieses Eine genügen: Christus hatte wahrlichseinen Leib keinen Tempel genannt), wenn nicht in ihm wirklichdie göttliche Natur wohnte. Darum wurden auch mit RechtNestor ins auf der Synode zu Ephesus und nachher E li-tt ch es zu Konstantinopel und Chalcedon verdammt, weilman die beiden Naturen in Christo weder vermischen nochtrennen darf.
5. Aber auch in unsern Tagen erhob sich der eben so ver-derbliche Irrwahn des Michael Servetus, der ein ausGottes Wesen, Geist, Fleisch und drei ungeschaffencn Ur-stoffen erträumtes Trugbild an die Stelle des Sohnes Gottessetzte. Und zwar behauptet er zuvörderst, Christus sey auskeinem andern Grunde und nur in so fern der Sohn Got-tes , als er aus der Jungfrau durch den heil. Geist gezen-get worden. Schlau sucht er nämlich den Unterschied zwi-schen den beiden Naturen in Christo hinweg zu nehmen,um ihn zu einem Gemisch ans Gott und Mensch zu ma-chen, welches jedoch weder für Gott noch Mensch geltenkann. Denn das ist seine Behauptung: ehe Christus imFleisch erschien, seyen bloß Schattenbilder in Gott gewesen,welche dann erst Wahrheit und Wirklichkeit wurden, alsdas zu dieser Ehre auserkorene Wort begann Gottes Sohnzu seyn. Wir dagegen halten den Mittler, der von derJungfrau geboren ist, eigentlich und wirklich für den SohnGottes. Auch würde der Mensch Christus kein Spiegel derunermeßlichen Gnade Gottes seyn, wenn nicht diese Würdeauf ihn übertragen wäre, daß er der eingeborene SohnGottes sey und heiße. Dabei bleibt jedoch die Bestimmung
1) J°h. 2, 19.