Druckschrift 
Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
Entstehung
Seite
527
Einzelbild herunterladen
 

527

denn wenn auch das unermeßliche Wesen des Wortes mitder menschlichen Natur zu einer Person sich vereinigte,so ist das doch noch keine Einschließung. Auf eine wunder-bare Weise kam der Sohn Gottes vom Himmel herab, ohnejedoch den Himmel zu verlassen; auf eine wunderbare Weisewollte er aus der Jungfrau geboren werden, auf Erdenwandeln und am kreuze hangen, um immerdar die Welt,wie von Anfang her, zu erfüllen.

Kapitel XIV.

Wie die beiden Naturen des Mittlers eine Person ausmachen.

t. Der Ansspruch der Schriftdas Wort wardFleisch" darf nicht so verstanden werden, als wenn das-selbe sich in Fleisch verwandelt oder mit Fleisch ganz ver-mischt hatte, sondern weil er sich aus dem Schooßc derJungfrau einen Tempel zur Wohnung ersähe, und der Got-tessohn ein Menschen söhn ward, nicht durch Vermi-schung beider Naturen, sondern durch Vereinigung derselbenzu Einer Person. Und zwar behaupten wir eine solcheVerbindung des göttlichen Wesens mit dem menschlichen,bei welcher jede Natur ihre ganze Eigenthümlichkeit behielt,und doch nur aus jenen Zwei Ein Christus wurde. Kannin der Natur der Dinge irgend etwas dieser geheimnißvollenVereinigung Aehnliches gefunden werden; so ist es derMensch, der aus zwei Substanzen besteht, die aber so miteinander verbunden sind, daß keine derselben ihr eigenthüm-liches Wesen verliert. Denn weder die Seele wird Körper,noch der Körper Seele. So kann also von der-Seele etwasgesagt werden, was dem Körper auf keine Weise zukommt,

t) Joh. t, 14.