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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
Entstehung
Seite
524
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Jungfrau geboren wurde. Aber die neuern Marcionitcn,um ihren Irrthum zu übertünchen und zu beweisen, daßChristus nur einen scheinbaren Körper angenommen habe,behaupten, die Weiber waren ohne Saamen, und ziehenalso gegen die Elemente der Natur zu Felde. Weil dieseUntersuchung aber nicht in das Gebiet der Theologie ge-hört, und ihre Beweisgründe so nichtswürig sind 7 daß siekeine Widerlegung verdienen; so übergehe ich, was die Phi-losophie und Arzneikunde angehet, und beschränke mich alleinauf die Widerlegung der Einwürfe, die sie ans der Schrifthernehmen. So sagen sie, Aaron und Jojadah hätten Wei-ber ans dem Stamme Juda genommen, und so sey von daau die Unterscheidung der Stämme verwirrt worden, wenndas Weib zeugenden Saamen besitze. Aber es. ist bekanntgenug, daß die Nachkommenschaft nach dem männlichen Ge-schlechte gezählt wird; daß jedoch dieser Geschlechtsvorzug,den die bürgerliche Verfassung giebt, bei der Zeugung dieVermischung des weiblichen Saamens mit dem männlichennicht aufhebt. Das ist auf alle Genealogien anwendbar. DieSchrift nennt oft nur die Männer, wenn sie die Geschlechts-folge angicbt; aber kann man deßwegen sagen, daß dieFrauen nichts gelten? Vielmehr werden diese, wie jederweiß, unter den Männern mit begriffen. Daher sagt man,das Weib gebähre ihrem Manne, weil der Familiennameallezeit bei dem männlichen Geschlechte bleibt. Wie aberdiesem vorzugsweise zugestanden wird, daß von dem Standeder Väter der höhere oder niedere Stand der Kinder ab-hängt, so folgen auch in der Knechtschaft, wie die Rcchts-gelchrten sagen, die Kinder der Mutter. Daraus folgt,daß Kinder aus dem mütterlichen Saamen gezeugt werden,und nach dem Sprachgebrauche aller Völker führen die Müt-ter den Namen Erzeugerinnen. Dafür stimmt auch dasGesetz Gottes^), welches sonst mit Unrecht die Ehe zwischendem Oheim und seiner Nichte verbieten würde, weil als-

t) Ps> 89, S. ApM. 2, ,?0.