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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
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und höchste Würde besteht: so behaupte ich doch, daß mandas Ebenbild Gottes nirgend anders suchen müsse, als injenen Vorzügen, durch welche Gott den Adam vor andernGeschöpfen ausgezeichnet hatte. Und daß Christus schondamals das Ebenbild Gottes gewesen sey, ist die einstim-mige Meinung Aller, und folglich auch, daß alle Hoheit,mit welcher Adam angethan war, daher entsprang, weiler durch den cingeborncn Sohn der Herrlichkeit seinesSchöpfers ähnlich ward. Nach Gottes Ebenbild? ist alsoder Mensch geschaffen, in welchem der Schöpfer selbst seineHerrlichkeit wie in einem Spiegel sichtbar darstellen wollte.Zu dieser Ehrcnstufe ward der Mensch durch den eingebor-nen Sohn erhoben; aber ich setze hinzu, daß der Sohnselbst das gemeinschaftliche Oberhaupt der Engel und Men-schen war, so dach die den Menschen ertheilte Würde auchden Engeln angehörte. Denn da sie Söhne Gottes genanntwerden ch, so mußte ihnen etwas verliehen seyn, was siedem Vater ahnlich machte. Wollte er aber'in den Engelnund Menschen seine Hoheit darstellen, und in Beider Wesensichtlich erweisen: so ist es höchst thöricht, wenn Osiandcrbehauptet, die Engel seyen damals geringer gewesen, alsdie Menschen, weil sie nicht das Bild Gottes trugen. Dennsie würden nicht allezeit das Angesicht Gottes schauen-),wenn sie ihm nicht ähnlich wären, und die Menschen er-neuern sich, wie Paulus sagt, nicht anders nach GottesEbenbilds, als wenn sie mit den Engeln im Bunde stehenunter einem Haupte. Endlich wird, so wir Christo glauben,einst im Himmel unsere Aehnlichkcit mit den Engeln unseregrößte Seligkeit ausmachen. Wollte man dem Osiandcrzugeben, das Gottes ursprüngliches Ebenbild zuerst in demMenschen Christus gewesen sey, so könnte man mit gleichemRechte behaupten, Christus habe der Natur der Engel theil-hastig werden müssen, weil auch sie das Ebenbild Gottesan sich tragen.

7. Ganz grundlos ist also Osiandcrs Besorgniß, daß

1) Ps. 82, 6. 2) Matth. 13, 10.

Calvins Inst. 1r Bd. ZZ