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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
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Kapitel XII.

Christus mußte Mensch werden, um den Beruf eines Mittlers zuvollbringen.

t. Unser Mittler mußte nothwendig wahrer Gott midMensch seyn; aber nicht unbedingt war diese Nothwen-digkeit, sondern bedingt durch den himmlischen Rathschluß,von dem das menschliche Heil abhieng. Der gnädige Vaterbeschloß indessen, was für uns das Beste war. Denn daunsere Sünden, gleich einer zwischen uns und ihm gelager-ten Wolke, uns von dem Himmelreich ganzlich ausgeschlos-sen hatten, so konnte kein Anderer, als der ihm nahe stand,des wiederherzustellenden Friedens Vermittler seyn. Weraber stand ihm nahe? Irgend einer der Adamssöhne? AlleMenschen sammt ihrem Stammvater zitterten vor dem An-schauen Gottes. Auch die Engel bedurften eines Hauptes,um in dem genauesten Verbände mit ihrem Gott zu bleiben.Fürwahr ein trostloser Zustand, wenn nicht Gottes Maje-stät selbst zu uns herabkam, da wir nicht zu ihm hinauf-steigen konnten. So mußte der Sohn Gottes unser Jm-manuel werden, d. i. Gott mit uns, und zwar aufdiese Weise, daß sich seine Gottheit mit der menschlichenNatur auf das Innigste vereinigte. Ohne dieses keine An-näherung, kein festes Verband mit ihm, und keine Zuver-sicht, daß Gott unter uns wohne. So groß war der Ab-stand zwischen unserer Unreinigkeit und Gottes höchsterReinheit. Und wäre der Mensch auch mit keiner Schuldbefleckt gewesen, so stand er doch zu niedrig, als daß erohne Mittler zu Gott kommen konnte. Wie vielmehr, daer durch den verderblichen Abfall in Tod und Hölle ver-senkt, mit Schanden befleckt, Beute der Verwesung, jedenFluch Preis gegeben war! Mit Recht nennt Paulus da-her Christum , indem er ihn als den Mittler bezeichnen will,