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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
Entstehung
Seite
496
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alte Testament das Gesetz der Knechtschaft, weiles das Gemüth beängstigt, das neue aber das Gesetzder Freiheit, weil es das Herz mit Vertrauen undZuversicht erfüllt. So sagt Paulus in dem Briefe an dieRömers:Ihr habt nicht einen knechtlichcn Geistempfangen, daß ihr euch abermal fürchten müß-tet, sondern einen kindlichen Geist, durch wel-chen wir rufen: Abba, lieber Vater." Hierhergehört auch, was wir in demBriefe an die Hebräer lesen y:Die Glaubigen seyen nicht hinzugetreten zueinem sichtbaren Berge, den brennendes Feuer,Gewölk, Finsterniß und Ungewitter umgab, wonichts gehört und gesehen werden konnte, alswas Angst und Schrecken einflößte, so daß sogarMoses sich entsetzt, da die furchtbare Stimmeerscholl, die Keiner wieder zu hören begehrtsondern sie seyen gekommen zu dem Berge Zionund zu der Stadt des lebendigen Gottes, zudem himmlischen Jerusalem w." Was aber Paulusin der aus dem Briefe an die Römer angeführten Stellenur kurz berührt, darüber erklärt er sich weitlauftiger inin dem Briefe an die Galatcr ch, indem er von Abrahamsbeiden Söhnen dieses allegorische Argument hernimmt:dieMagd Hagar ist ein Bild von dem Berge Sinai, wo dasVolk Israel das Gesetz empfing; durch die freigeboreneSara wird das himmlische Jerusalem vorgestellt, von woherab das Evangelium kam. Denn wie Hagar einen dienst-baren Sohn gebiert, der keinen Antheil am Erbe hat, undSara einen Freien, dem das Erbthcil zufällt: so werdenwir durch das Gesetz der Knechtschaft unterworfen, undallein durch das Evangelium zur Freiheit wiedergeboren."DerSiun dieser allegorischen Darstellung ist kürzlich dieser:das alte Testament erfüllte das Gewissen mit Furchtund Angst, das neue giebt Freudigkeit ins Herz. Jenes

1) E. 8, 26. 2) C. 12, 1824. 3) C. 4, 22-31.