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2. Unter dem Svangclio verstehe ich die Offenbarungdes Geheimnisses von Christo, längne aber nicht,daß zu demselben, da es Paulus die Lehre des Glau-bens nennt, auch alle die, im Gesetze enthaltenen, Ver-heißungen von der Vergebung der Sünden gehören, durchwelche Gott die Menschen mit sich versöhnt. Denn derGlaube ist in jener Stelle der Gewissensangst entge-gen gesetzt, die uns ergreift, wenn wir die Seligkeit durchWerke verdienen sollen. Im weitern Sinne umfaßt alsodas Wort Evangelium alle vormals den Vätern gegebeneBeweise der Barmherzigkeit und Vaterhuld Gottes. Abervorzugsweise bezeichnet es die Offenbarung der in Christodargebotenen Gnade, und das ist keine willkührliche, sondernans das Zeugniß Christi und der Apostel sich gründendeAnnahme. Darum wird, mit Beziehung auf seinen eigen-thümlichen Beruf, von ihm gesagt „Er habe das Evan-gelium von dem Reich gepredigt." Und Marcus beginntmit folgenden Worten sein Evangelium: „das ist der An-fang des Evangeliums von Jesu Christo." Doch wozu nochBeweisstellen für etwas, was nicht bezweifelt werden kann?„Christus hat mit seiner Ankunft Leben und unvergänglichesWesen an das Licht gebracht durch das Evangelium" ^-wiePaulus sagt. Er meint aber nicht, daß Finsterniß desTodes die Väter bis zur Menschwerdung des Sohnes Gottesumhüllt hätte; sondern, um die hohen Vorzüge des Evan-geliums bemerkbar zu machen, stellt er die außerordentlicheSendung Christi als das Mittel dar, wodurch Gott seineZusagen erfüllte, daß in der Person des Sohnes die Wahr-heit der Verheißungen vollendet werden sollte. Denn zwarwaren die Gläubigen von der Wahrheit des apostolischenAusspruchs „in Christo sind alle Verheißungen Ja undAmen" — immer überzeugt, weil ihr eigenes Herz ihnendavon Gewißheit verbürgte; aber da Christi Erscheinung im
DA Tim. 4, 6. 2) Matth. 4, 23. 17. S) 2 Tim. 1, 10. 4) 2<5c>r.1, 20.