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oben an, und hierauf folgt erst die Nächstenliebe; aber derHerr bemerkt, daß im Gesetz uns nur vorgeschrieben werde,gerecht und billig gegen einander seyn, um durch Erfüllungdieser Pflichten unsere Ehrfurcht vor Gott kund zu thun.
54. Es ist also gewiß, daß unser Leben erst dann demWillen und Gesetze Gottes ganz entspricht, wenn wir eszum Nutzen und Wohlseyn der Brüder verwenden. Aber imGesetze findet sich auch nicht eine einzige Vorschrift darüber,was der Mensch zu seinem eigenen Besten zu thun und zulassen hat. Und wahrlich, wenn die Menschen von Naturmehr, als zu viel, der Selbstliebe ergeben sind, und solche,wie weit sie auch sonst von der Wahrheit sich entfernen,niemals aufgeben; so bedürfte es keines Gesetzes, sie nochmehr zu entflammen. Daraus erhellet, daß nicht durch dieLiebe gegen uns selbst, sondern durch die Liebe gegen Gottund den Nächsten das Gesetz erfüllt wird, und daß, werso wenig als möglich ans sich siehet und für sich sorgt, frommund unsträflich lebt, aber wer nur an sich denkt und sei-nen Nutzen sucht, einen bösen und gottlosen Wandel führt.Um zu zeigen, wie sehr wir den Nächsten lieben sol-len, verweiset der Herr uns auf die Selbstliebe, welche diestärkste Neigung in uns ist, als auf die Regel und Richt-schnur für die Menschenliebe. Und zwar haben wir denAusdruck: „als dich selbst" —sorgfältig zu erwägen: dennGott weiset hierdurch nicht, wie einige Sophisten wähnen,der Selbstliebe den ersten Platz an und der Nächstenliebeden zweiten, sondern er gebeut vielmehr, die Liebe, die wirvon Natur gegen uns selbst haben, Andern zu beweisen.Wcßhalb der Apostel sagU): „die Liebe sucht nicht dasIhre." Kaum eine Erwähnung verdient der Einwurf, daßdas, worauf als Norm hingewiesen wird , vor demjenigeneinen Vorzug habe, dem es als Norm vorgestellt wird.Denn nicht als Regel stellt der Herr hier die Selbstliebeauf, , welcher die Liebe gegen Andere untergeordnet seyn
k) l Cor. 1Z, S.