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der Mensch zur Ehrfurcht vor Gott, zu seiner geistigen Ver-ehrung, zum Gehorsam gegen seinen Willen, zum Wandelnin seinen Wegen, zur Nechtschaffcnheit der Gesinnung, zurGewissenhaftigkeit und aufrichtigen Liebe angeleitet wird?Darum bestätigt sich jene Auslegung des Gesetzes als die^ richtige, nach welcher man in dessen Vorschriften den Inbe-griff aller Pflichten der Gottesfurcht und Liebe suchet undfindet, diejenigen aber, die darin nur dürre und kahle Ele-mente suchen, gleich als lehrte es nur den Willen Gotteszur Hälfte, verkennen nach dem Zeugnisse des Apostels, denSinn und Zweck des Gesetzes.
52. Christus und die Apostel, wenn sie den Inhalt desGesetzes anführen, schweigen zuweilen von der ersten Tafel.Hier verrathen die meisten große Unwissenheit, indem siedie Worte derselben auf beide Gesetztafeln beziehen wollen.So nennt Christus im Evangclio MatthäiJ Barmherzig-keit, Gerechtigkeit und Treue die wichtigsten Vorschriftendes Gesetzes. Treue bezeichnet hier offenbar die Aufrichtig-keit gegen Menschen. Aber um seinen Ausspruch auf dasganze Gesetz auszudehnen, verstehen es einige von der Treuegegen Gott, wiewohl ganz unrichtig, da Christus von sol-chen Werken redet, durch welche der Mensch sich als einenFrommen beweisen muß. In diesem Falle werden wir unsnicht mehr darüber wundern, daß er einem Jünglinge, derihn um die Gebote befragte, welche man halte müsse, umzum Leben einzugehen, die Antwort gab^): „du sollst nichttodten, du sollst nicht ehebrechen, du sollst nichtstehlen, du sollst kein falsch Zeugniß ablegen,ehre Vater und Mutter, und liebe deinen Näch-sten als dich selbst." Denn der Gehorsam gegen diel Gebote der ersten Gesetztafel bestand entweder in Gesinnun-gen des Herzens oder in der Beobachtung gewißer äußernGebräuche. Jenes blieb vor den Augen der Welt verbor-gen, und diese wurden von Heuchlern sorgfältig abgemar-
kt <3. 23, 23. 2) Matth, 19, 18.