424
DaS fünfte Gebot.
->Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf daß du lang«lebest im Lande, das dir der Herr dein Gott giebt.«
35. Der Zweck dieses Gebots ist: es liegt Gott demHerrn an der Anfrcchthaltung feiner Ordnung, weßhalb wirdie von ihm ausgezeichneten Stände in Ehren halten müssen.Es schärst also überhaupt ein, allen unsern VorgesetztenEhrfurcht, Gehorsam und Dankbarkeit zu beweisen. Darausfolgt das Verbot, ihr Ansehen durch Unchrerbictigkcit, Unge-horsam und Undank herabzuwürdigen. Denn diese viclum-fasscnde Bedeutung hat das Wort „Ehre" in der Schrift.Wenn der Apostel z. B. sagt'): „die Acltcstcn, welche ihrVorstehcramt in der Gemeine gut verwalten, sind zwiefa-cher Ehre werth" — so versteht er das nicht bloß von derihnen schuldigen Ehrfurcht, sondern auch von der Beloh-nung, die ihnen für ihre Amtsführung gebührt. Weil sichaber gegen dieses Gebot des Gehorsams der Stolz desMenschen erhebt, der aufgeblasen von Hochmuth sich ungernAndern unterwirft: so ward der von Natur liebenswür-digste und dem Neide am wenigsten ausgesetzte Hohcitsstand,nämlich der Eltern, als Muster ausgehobcn, weil durchAnerkennung ihres Vorrangs unser Gemüth am leichtestenzu Gehorsam und Folgsamkeit erweicht und gewöhnt wer-den konnte. Durch dieses Gebot des leichtlich zu leistendenkindlichen Gehorsams sucht uns also der Herr allmählig zufcdcr Art von Folgsamkeit zu gewöhnen, wozu überallgleiche Verbindlichkeit statt findet. Denn Allen, welchen ereinen höhcrn Stand angewiesen, theilet er, sofern es nö-thig ist, um ihr Ansehen zu erhalten, seinen Namen mit.Die Benennungen „Vater, Gott, Herr" — sollen, so
«) t Tim. 5, 17.