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thern eincn desto größern Abscheu vor jeglicher Sünde ein-zuflößen. Wir täuschen uns oft in Beurtheilung der Sün-den, indem wir die Laster um so mehr verkleinern, je ver-borgener sie liegen. Diese Täuschung verhütet der Herr,wenn er uns gewöhnt, die ganze Menge der Sünden unterdiejenigen Hauptlaster zu fassen, welche am besten das inseiner Art Verabschcuungswürdigste uns vor Augen stellen.Zorn und Haß z. B. gelten für keine so abscheuliche Sünde,wenn sie ihren eigenthümlichen Namen führen; verbietet sieuns Gott aber unter der Benennung eines Mordes, somerken wir eher, wie sehr er sie verabscheut, da er sie mitder schrecklichsten Ucbelthat zusammenstellt, und dieses UrtheilGottes gewöhnt uns, für ein schweres Verbrechen zu halten,was uns vorher nur leichtes Vergehen zu seyn schien.
11. Die dritte Vorcrinuerung bezieht sich auf die Ab-sicht bei Eiutheilung des göttlichen Gesetzes in zwei Tafeln.Jeder Vernünftige sieht ein, daß dieselben nicht ohne Ab-sicht cinigemale feierlich erwähnt werden. Auch läßt sichdie Frage genügend beantworten, warum Gott sein Gesetzin zwei Abschnitte theilte, in welchen die vollständige An-weisung zur Gerechtigkeit enthalten ist. Diese Eiutheilunggeschah nämlich dergestalt, daß die erste Tafel die sogenann-ten Rcligionspflichten umfaßt, die sich insbesondere auf dieVerehrung Gottes beziehen, und die andere die Licbespflich-ten, welche gegen die Menschen zu erfüllen sind. Die Grund-lage der Gerechtigkeit ist die Verehrung Gottes. Wo diesefehlt, fallen alle andere Theile der Gerechtigkeit, wie dieStücke eines auseinander gerissenen Gebäudes in Trümmerzusammen. Denn was für eine Gerechtigkeit müßte es seyn,Menschen zwar nicht zu bestehlen und zu berauben, aber dochGott seine Ehre und Herrlichkeit entziehen? Durch Hurereinicht seinen Leib zu beflecken, aber sich nicht entblöden, durchGotteslästerung seinen heiligen Namen zu entweihen? Kei-nen Menschen zu tödtcn, aber das Andenken an Gott zuvernichten und zu vertilgen? Ohne Gottesfurcht rühmt mansich also vergebens der Gerechtigkeit, wie wenn man einen