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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
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fast in allen Geboten offenbare Tropen, daß es lächerlichseyn würde, wenn inan den Sinn des Gesetzes in die en-gen Schranken dcö Buchstaben einschließen wollte. Daß manalso bei einer vernünftigen Erklärung des Gesetzes über dieWorte hinausgehen dürfe, steht jeder ein; aber wie weitdiese Freiheit gehe, bleibt dunkel, wenn nicht eine bestimmteNorm festgesetzt wird. Diese läßt sich, meiner Meinungnach, am besten nach dem Zwecke des Gesetzes bestimmen,daß wir nämlich bei jedem Gebote prüfen, wozu es unsgegeben sey. Ein Beispiel soll es deutlich machen. JedesGebot ist entweder ein Gebot oder ein Verbot, und was gebo»tcn und verboten wird, zeigt sich sogleich, wenn wir denZweck des Gesetzes berücksichtigen. So soll das fünfte Ge-bot die Wahrheit einschärfen: man müsse diejenigen ehren,welchen Gott Ehre gegeben hat. Der Inhalt dieses Gebo-tes wäre also: es sey recht und wohlgefällig vor Gott, die-jenigen zu ehren, denen er Vorzüge verliehen hat; aberGeringschätzung und Ungehorsam gegen dieselben sey ihmi» ein Greuel. So dringt das erste Gebot auf die alleinigeVerehrung Gottes. Sein Inhalt ist also: Gott hat einWohlgefallen an der Frömmigkeit d. i. an der Verehrungseines Namens, aber ungöttlichcs Wesen verabscheut er.Ans diese Weise müssen wir bei einem jeden Gebote unter-suchen, wovon die Rede, und in welcher Absicht es unSgegeben ist, bis wir finden, was der Gesetzgeber als ihmwohlgefällig oder mißfällig darin bezeuget. Hieraus müssenwir auf das Gegentheil schließen, und zwar dergestalt: ge-fallt Gott dieses, so mißfällt ihm das Gegentheil; mißbilligter dieses, so billigt er das Gegentheil; gebietet er dieses,so verbietet er das Gegentheil; untersagt er dieses, so for-x dert er das Gegentheil.

9. Es würde hinreichend seyn, dieß hier nur kurz an-gedeutet zu haben (da bei Erklärung der Gebote was jetztnoch dunkel ist, durch Anwendung einleuchten wird), wennnicht der letzte Satz erst bewiesen und bekräftigt werdenmüßte, weil er sonst entweder nicht recht verstanden wer-