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schuldig; wer durch beleidigende und verläum-derischc Reden eine fe indscligc Gesinnung gegenAndere verrathe, sey s o st r a fb a r, daßervor dashöchste Gericht des Landes gezogen zu werdenverdiene; wer aber durch Lasterw orte seine Rach-sucht offenbare, sey des höllischen Feners schul-dig." Die das nicht verstanden, erklärten Christum fürden zweiten Moses, durch welchen das evangelische Gesetzgegeben sey zur Ergänzung eines mangelhasten Mosaischen.Daraus entstand der bekannte, in mancherlei Hinsicht soverderbliche Lehrsatz von der Vortrefflichkeit des evangeli-schen Gesetzes, welches weit vollkommener sey als das alte.Aus Moses eigenen Worten wird bei der nachherigcn Er-klärung der einzelnen Gebote sich zeigen, welche unwürdigeSchmach dadurch dem göttlichen Gesetz angethan wird. Siebringt wenigstens die Frömmigkeit der Väter in den Ver-dacht der Heuchelei, und führt uns von der einzigen undunabänderlichen Vorschrift der Gerechtigkeit ab. Sehr leichtaber ist dieser Irrthum zu widerlegen: denn sie glauben,daß Christus das Gesetz ergänze, da er es doch nur vondem Lügenwerk und Sauerteige der Pharisäer reinigt, undin seiner ursprünglichen Würde darstellt.
8. Zweitens merke mau: die Gebote und Verbotedes Gesetzes haben immer einen tiefern Sinn, als die Worteausdrücken. Doch darf man hicbei nicht zu weit gehen, undnicht, nach Dichterfreiheit, den Sinn der Schrift willkührlichverdrehen. Denn geschieht das, so verliert bei Einigen dasGesetz an Ansehn, und Andere geben die Hoffnung auf, es rechtverstehen zu lernen. Man muß also, so viel möglich, einenWeg hiebci einschlagen, der uns mit geradem und festemGange zur Erkenntniß des göttlichen Willens führe. MeineMeinung ist nämlich: es sey zu untersuchen, wie weit dieErklärung.über die Gränzen des Wortvcrstandes hinausge-hen dürfe, damit erhelle, daß dem göttlichen Gesetze keinmenschlicher Zusatz beigefügt, sondern die wahre Meinungdes Gesetzgebers unverfälscht ausgedrückt sey. Es giebt ja