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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
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ein Genüge, wenn man sich nnr vor der offenbaren Ueber,tretung derselben hütet; aber da das himmlische Gesetz un-sern Seelen gegeben wurde, so gehört zu dessen Beobachtungvor allen die Zucht des inwendigen Menschen. Aber dieMehrzahl der Menschen, indem sie ihre Abneigung gegendaS Gesetz sorgfältig verbergen, und mit Auge, Hand, Fußund allen Theilen des Leibes es zu erfüllen scheinen, bleibenweit von dem Gehorsam des Herzens entfernt, und glau-ben schon genug gethan zu haben, wenn sie vor der Weltverhüllen, was nur Gott sieht. Sie hören das Gebot:du sollst nicht tödtcn, du solist nicht ehebrechen, du sollstuicht stehlen," und zücken keinen Dolch zum Morde, habenkeine Gemeinschaft mit Huren, strecken ihre Hand nicht nachfremdem Gute aus; aber inwendig schnauben sie Rache,brennen vor Wollust, und blicken mit neidisch gierigem Augenach Anderer Vermögen. Da fehlt es also an der Haupt,forderung im Gesetze. Aber könnten Menschen in solcheThorheit verfallen, wenn sie nicht den Gesetzgeber vergaßen,und die von ihm gebotene Gerechtigkeit nach ihrem Sinnemodelten?, Ihnen giebt Paulus die kraftige Weisung H:das Gesetz ist geistlich," und behauptet hiermit, daßes nicht nur einen Gehorsam des Herzens, des Geistesdes Willens verlange, sondern Engelsrcinhcit, welche freivon allen Flecken des Fleisches nichts als Geist athme.

7. Wenn ich dieses als den Sinn des Gesetzes darstelle,so bringe ich keine neue Erklärung vor, sondern folge Christo,dem besten Ausleger des Gesetzes. Die Pharisäer hattendas Volk zum Irrwahn verführt, als ob man schon dasGesetz erfülle, wenn man nur nicht äußerlich gegen dasselbesündige. Diesen äußerst gefährlichen Irrthum widerlegtChristus, wenn er den unzüchtigen Anblick eines Weibes fürHurerei und denjenigen für einen Todtschlägcr erklärt, derseinen Bruder hasset. Er sagt nämlichwer gegenjemand Haß im Herzen trage, sey des Gerichts

t) Röm. 7, 14. 2) Matth. S, 20 22. 28.