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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
Entstehung
Seite
384
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entschuldigen, und gleich verarmten Schuldnern erklären,daß wir unsere Schuld nicht abtragen können. Es geziemtsich nicht, Gottes Herrlichkeit nach unserm Vermögen zumessen; denn wie wir auch beschaffen seyn mögen. Er bleibtimmer derselbe, ewiglich ein Freund der Gerechtigkeit und einFeind aller Ungerechtigkeit. Alles, was er von uns fordert,und er fordert nur was recht ist, müssen wir aus natürlicherVerpflichtung nothwendig erfüllen; können wir es aber nicht,so ist es unsere Schuld. Denn wenn wir von der eigenenLust, in welcher die Sünde herrscht, so gebunden werden,daß wir unserem Vater nicht frei gehorchen können: so dür-fen wir uns mit der unvermeidlichen menschlichen Schwach-, heit nicht entschuldigen, da dieß Unheil in uns ist und folg-lich uns zugerechnet werden muß.

3. Sind wir nun zu einer solchen Erkenntniß durchdas Gesetz gelangt, so müssen wir nach dessen Unterweisung,in uns selbst eindringen, woraus ein doppelter Segen füruns hervorgeht. Vergleichen wir zuförderst unser Leben mitder im Gesetz dargestellten Gerechtigkeit: so findet sich, daßwir noch bei weitem entfernt Gottes Willen zu erfüllen, unddeßhalb unseres Platzes unter seinen Geschöpfen unwürdigsind, geschweige denn, zu seinen Kindern gezählt zu werden.Prüfen wir ferner unsere Kräfte in dem Gesetze, so zeigt sichnicht nur unsere Schwachheit, sondern auch unsere gänzlicheUntüchtigkeit zur Erfüllung desselben. Daraus entsteht noth-wendig Mißtrauen in unsere eigene Frömmigkeit, zugleich auchAngst und Bangigkeit: denn zu dem Bewußtseyn der Sünden-schuld gesellt sich bald der Gedanke an Gottes Gericht, unddaran können wir ohne einen Schauer des Todes nicht ge-denken. Eben so durch die augenscheinlichsten Beweise vonseinem Unvermögen überführt, verzweifelt der Mensch ander Möglichkeit, sich selbst zu helfen. Beides bringt ihnzur Demuth, so daß er nun, in der Furcht vor einem ewi-gen Tode, dem er seiner Ungerechtigkeit wegen entgegensieht, zur Barmherzigkeit Gottes, als dem einzigen Haftndes Heils, seine Zuflucht nimmt, und in dem verzweiflungs-