Erlösung in die Austilgung derselben gesetzt? Mau mußalso hier nothwendig an etwas Gcheimnißvollcs denken. Ichglaube aber den richtigen Sinn aufgefaßt zu haben, wenn manmir anders die Wahrheit dessen zugesteht, was Auguftinirgendwo nach den klaren Worten des Apostels behauptet:„die jüdischen Gebräuche seyen mehr ein Bekenntniß, alseine Versöhnung der Sünden gewesen." Denn bekanntendie Juden nicht durch die Opfer, daß sie des Todes schul-dig seyen, und stellten für sich Opfcrthiere? Bezeugten siedurch die Reinigungen nicht ihre Unreinigkeit? Auf dieseWeise erneuerten sie immer die Handschrift ihrer Schuldund Unreinigkeit; aber dieses Bekenntniß war nicht Ablö-sung. Darum sagt der Apostel'): „erst durch den TodChristi sey die Erlösung von den Ucbertretun-gcn geschehen, die unter dem alten Testamenteblieben." Mit Recht nennt der Apostel also das Ceremo-nialgesctz eine Handschrist, die dessen Beobachtern entgegenwar: denn sie bescheinigten dadurch ihre Unreinigkeit undVerdammung. Daß sie mit uns gleicher Gnade theilhaftigwurden, ist dem nicht entgegen. Diese erlangten sie ja inChristo, nicht durch das Cercmonialgcsetz, welches hier derApostel von Christo unterscheidet, weil es, so lange es imGebrauche war, die Herrlichkeit Christi verdunkelte. Sehrschön und passend wird dieses Ceremonialgcsctz an sich eineHandschrift genannt, welche dem Heile der Menschen ent-gegen stand, da es gleichsam eine feierliche Urkunde ihrerSchuld war. Da nun falsche Apostel die christliche Kirchewieder demselben unterwerfen wollten: so erinnert Paulus,nachdem er dessen Bedeutung entwickelt, nicht ohne Grunddie Kolosser an das Verderben, in welches sie sich stürzenwürden, wenn sie sich von jenen in ein solches Joch brin-gen ließen. Zugleich wurde ihnen die Wohlthat Christi vorAugen gestellt, welcher nach einmal vollbrachter ewiger Ver-söhnung jene täglich zu wiederholenden äußeren Handlun-
t) Hebr. 9, 15.