3L0
daß die Satzungen desselben un6 gar nichts mehr angehen.Aber es irren diejenigen, welche das geradezu auf das Mo-ralgcsetz beziehen, wiewohl ihre Meinung ist, daß nicht derInhalt desselben, sondern vielmehr seine unerbittliche Strengeaufgehoben sey. Andere, diesen apostolischen Ausspruch ge-nauer erwägend, verstehen ihn vom Ceremonialgesetze, undzeigen, daß das Wort „Satzung" mehrmals so vom Pau-lus gebraucht werde. Denn so heißt es auch im Briefe andie Ephcser'): „Er ist unser Friede, der aus bei-den Eius gemacht hat, indem er das Gesetz, dasin Geboten gestellt war, mit seinen Satzungenaufhob, auf daß er aus zweien Einen neuenMenschen in ihm selber schaffte." Daß hier von Ce-remonialverordnungen die Rede ist, leidet keinen Zweifel,da er sie die Scheidewand nennet, welche Juden und Hei-den von einander trennte. Mit Recht werden also die er-ster» Ausleger von den letztern getadelt; aber auch diesehaben den Apostel noch nicht recht verstanden: denn beideAussprüchc können nicht, als ganz gleichbedeutend, zusam-mengestellt werden. Da er die Epheser von ihrer Aufnahmein den Bund Israels überzeugen wollte: so sagte er, daßdie Ursache ihrer vormaligen Trennung hinweg geräumtsey; und diese lag in den Ceremonien. Der Gebrauch derReinigungen und Opfer, wodurch die Juden dem Herrngeweiht wurden, sonderte sie von den Heiden ab. In demBriefe an die Kolosscr dagegen wird offenbar ein tieferesGeheimniß berührt. Hier ist zwar die Rede von der Beob-achtung des Mosaischen Gesetzes, wozu falsche Apostel dasChristeuvolk verpflichten wollten; aber wie im Briefean die Galater, so dringt der Apostel auch hier etwas tie-fer ein, und führt die Untersuchung gewißermasseu bis zurQuelle hinauf. Denn siehet man in den Gebräuchen nureinen Zwaugsdienst, wozu werden sie eine Handschrift ge-nannt, die uns entgegen war? Warum wird unsere ganze
1) Ephes. ?, 14. 15.