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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
Entstehung
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widerlegt haben würde, wenn sie nicht unter den Judenallgemein vorhanden gewesen wäre. Diese konnte aber nichtvon ungefähr entstehen, sondern scheint, da fast jedem Irr-thume Wahrheit zum Grunde liegt, offenbar durch eine fal-sche Auslegung seiner Lehre ihr Daseyn erhalten zu haben.Um nun aber nicht in gleichen Irrthum zu verfallen, sowollen wir sorgfaltig unterscheiden, was im Gesetze aufge-hoben ist, und was noch fest besteht. Wenn der Herr be-zeugter sey nicht gekommen, das Gesetz auf-zulösen, sondern zu erfüllen, und es werde, bisHimmel und Erde vergehen, auch nicht der klein-ste Buchstabe vom Gesetze vergehen, bis daß esalles geschehe;" so bestättigt er sattsam, daß der Beobach-tung des Gesetzes durch seine Ankunft nichts entzogen wer-den solle. Denn wahrlich, dazu kam er in die Welt, umder Uebertreibung des Gesetzes zu wehren. Unverletzlich bleibtalso durch Christum des Gesetzes Ansehen, da es uns durchUnterricht, Ermunterung, Tadel und Zucht zu allem gutenWerk bereiten und kraftigen soll.

15. Was Paulus aber von dem Fluche des Gesetzessagt, bezieht sich offenbar nicht auf das Gesetz selbst, son-dern auf dessen Kraft, die Gewissen zu beängstigen. Dennes belehrt nicht bloß, sondern fordert gebieterisch, und, woman es nicht erfüllt oder irgend von der Pflicht abweicht,verkündet es den Fluch. Darum sagt der Apostels:alle,die mit des Gesetzes Werken umgehen, sind un-ter dem Fluch, weil geschrieben steht: verfluchtsey jedermann, der nicht Alles erfüllt." Unterdenen, die mit des Gesetzes Werken umgehen, versteht eraber diejenigen, welche nicht in der Vergebung der Sündendie Gerechtigkeit finden, durch welche wir von der Strengedes Gesetzes befreit werden. Ans den Banden des Gesetzesmüssen wir also erlöst wcrdeu, behauptet er, wenn wir inihnen nicht elendiglich verderben sollen. Aber von welchen

1) Match. 5, l7. 13. 2) Gal. z, 10.