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Muster vollkommener Gerechtigkeit: so haben wir entwedergar keine Vorschrift zu einem frommen und gottcsfürchtigenLeben nöthig, oder es ist widrigenfalls schändlich, davonabzugehen, da es nicht mehrere, sondern nur Eine unwan-delbare Norm des Wandels giebt. Darum darf anch, wasDavid vom Leben des Gerechten sagt'): er durchdenktfortwahrend das Gesetz des H e rrn," nicht auf EinZeitalter nur bezogen werden, indem sich das zu allen Zei-ten bis ans Ende der Welt geziemt; und noch weniger dürfenwir die Unterweisung des Gesetzes deßhalb verwerfen, weiles mehr von uns fordert, als wir leisten können, so langewir die Bande des Leibes mit uns herumtragen. Es gc-behrdet sich ja gegen uns nicht wie ein strenger Aufseher,der nur durch Vollbringung des Tagewerks befriedigt wer-den kann, sondern zei^t in der Vollkommenheit, zu der esermuntert, das Ziel, nach welchem unser Lcbenlang zu rin-gen, nützlich und pflichtmäßig ist. In diesem Ringen nichtmüde zu werden, ist gut: denn dieses Leben ist eine Wall-fahrt. Ist sie vollbracht, so wird der Herr uns das Ziel,auf welches jetzt unsere Bestrebungen von ferne gerichtetsind, erreichen lassen.
14. Da also das Gesetz eine erweckende Kraft für dieGläubigen hat, nicht um ihre Gewissen mit dem Fluch zu bin-den, sondern die Trägheit zu bannen und an die Uuvoll-kommenheit zu mahnen; so sagen Viele, um diese Befreiungvom Fluche des Gesetzes anzudeuten, es sey für die Glau-bigen aufgehoben, (ich rede noch von dem moralischen Ge-setze), nicht deshalb, als ob es ihnen nicht mehr geböte,was recht ist, sondern nur, in sofern es nicht, wie vor-dem, ihr Gewissen erschreckend und verwirrend verdammeund verderbe. Und wahrlich, eine solche Aufhebung desGesetzes lehrt Paulus mit klaren Worten. Daß sie auchvon dem Herrn gepredigct sey, erhellet daraus, daß er dieMeinung von der Auflösung des Gesetzes durch ihn nicht
1)Ps-t,2.