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auf der Wage des Gesetzes seinen Wandel zu prüfen: sozerfällt sein Wahn von erträumter Gerechtigkeit; er findetsich unermeßlich weit von der Heiligkeit entfernt, und mitzahllosen Lastern befleckt, von denen er sich frei glaubte.So tief verborgen im Innern des Menschen liegt die häß,liche Fleischeslust, das sie seinen Blicken leichtlich entgehtzDarum sagt auch der Apostel'): „ich wußte nichts vonder Lust, wo das Gesetz nicht gesagt hätte; laßdich nicht gelüsten." Denn wird die Lust niicht durchdas Gesetz aus ihrer Verborgenheit aufgeschreckt, so stürztsie den armen Menschen, ehe er ihr tödtliches Geschoßfühlt, unversehens in das Verderben.
7. Wie ein Spiegel also die Flecken unseres leiblichenAngesichts uns sehen läßt, so zeigt das Gesetz uns unsereOhnmacht, unsere Sündhaftigkeit und mit beiden den Fluch.Wen nämlich zur Erlangung der Gerechtigkeit die Kraftverläßt, der muß nothwendig in dem Unflath seiner Sün-den stecken bleiben; der Sünde aber folgt der Fluch. Jegrößere Uebertrctungen das Gesetz uns also zeihet, einesdesto schwerern Gerichts macht cS uns schuldig. In dieserBeziehung sagt der Apostels: „durch das Gesetz kom-me Erkenntniß der Sünde," indem er das erste Ge-schäft desselben beschreibt, nämlich bei den noch nicht wic-dergcbornen Sündern. Damit stimmt ein anderer Aus-spruch desselben überein 2): „das Gesetz sey neben ein-gekommcn,aufdaßdieSünde mächtigerwürd e;"also sey es eine Todesanstalt, da es Zorn erwecket undden Tod bringt. Denn um so mehr vergrößert sich ohneZweifel die Sündcnschuld, je deutlicher sich das Gewissenderselben bewußt wird, weil die Uebertrctung alsdann einTrotz gegen den Gesetzgeber wird. Das Gesetz erregtalso Gottes Zorn zum Verderben des Sünders, weil esan sich nur anklagen, verdammen und verderben kann.
3) Röm. 7, 7. 2) Rom. 3, 20. 3) Röm. s, 20. vergl. 4, t5. 2C»r.3, 7.