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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
Entstehung
Seite
365
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können, wenn Gott, ohne Berücksichtigung der Werke, unsfeine Gnade zuwendet, und wir diese durch das Evangeli-um uns angebotene Gnade im Glauben annehmen: so blei-ben sie, auch mit dieser Bedingung, nicht unwirksam. Dennaus Gnaden giebt er uns auf diese Weise alles, und be-weiset seine Huld auch darin, daß er, unseren unvollkom-menen Gehorsam nicht verwerfend, und das Fehlende nach-lassend, nns an den Verheißungen des Gesetzes eben so Theilhaben laßt, als ob die Bedingung von uns erfüllt wäre.Doch diese Untersuchung gehört in die Lehre von der Recht-fertigung des Glaubens, und kann hier nicht weiter fort-gesetzt werden.

5. Was sedoch von der Unmöglichkeit der Gesetzesbeob-achtung gesagt worden, bedarf noch der weitern Erörterungund des Beweises, da man es gewöhnlich für eine höchstabgeschmackte Meinung hält, und Hieronymus H sich nichtentblödete, den Bann darüber auszusprcchen. Um die Be-hauptung des Hieronymus bekümmere ich mich nicht weiter,sondern forsche nach der Wahrheit, ohne mich jedoch hierauf die verschiedenen Arten der Möglichkeit einzulassen. Un-möglich nenne ich, was niemals war, und nach GottesOrdnung und Rathschiuß künftig nicht seyn kann. Gehenwir auch bis in die frühesten Zeiten hinauf, so finden wirdoch keinen unter allen Heiligen, der umgeben mit demLeibe des Todes dahin gekommen wäre, daß er Gott liebtevon ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Ge-müthe und aus allen Kräften; keinen, der nicht am Ge-lüst erkrankte. Wer mögte es ableugnen? Ich weiß zwar,daß finsterer Aberglaube uns Heilige vorstellt, denen dieEngel an Reinheit kaum gleichkommen; aber dem wider-spricht Schrift und Erfahrung. Eben so wird künftig Nie-mand das Ziel der Vollkommenheit erreichen, bevor er nichtvon den Fesseln des Leibes erlöset ist. Dafür sind zuför-derst deutliche Zeugnisse der Schrift vorhanden.Es ist

1) Tpisr, Ltesixllontem.