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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
Entstehung
Seite
363
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Apostel, daß die Gerechtigkeit vergeblich durch Gebote ge-lehrt werde, bis Christus durch freie Zurechnung und durchden Geist der Erneuerung sie mittheile. Mit Recht nennter also Christum des Gesetzes Erfüllung oder Ende, weildie Kenntniß dessen, was Gott in seinem Gesetze von unsfordert, nutzlos wäre, wenn Christus nicht der Schwach-heit derer aufhilft, die unter dem unerträglichen Joch undder Last des Gesetzes seufzen. AnderswoH sagt er auch, daßdas Gesetz um der Sünde willen gegeben sey, um die Men-schen nämlich von ihrer Verwerfung zu überführen und zudemüthigen. Da das nun der rechte und einzige Weg ist,zu Christo zu kommen, so stimmt das, was der Apostel mitverschiedenen Worten ausdrückt, vollkommen mit einanderüberein; und nur zur Widerlegung solcher verkehrten Leh-rer, welche aus den Werken des Gesetzes die Gerechtigkeitals ein Verdienst herleiteten, sahe er sich zuweilen genö-thigt, das bloße Gesetz als ein abgesondertes darzustellen,welches er jedoch sonst von dem Gnadenbunde der Kind-schast nicht trennt.

3. Es wird aber der Mühe werth seyn, hier kürzlich zuzeigen, wie wir, durch das sittliche Gesetz belehrt, desto unent-schuldbarer werden, damit das Bewußtseyn unserer Schulduns reize, Vergebung zu suchen. Ist es wahr, daß wirauf die vollkommene Gerechtigkeit im Gesetze hingewiesenwerden: so folgt daraus auch, daß die gänzliche Erfüllungdesselben die vollkommene Gerechtigkeit vor Gott sey, nachwelcher der Mensch vor dem himmlischen Richterstuhle fürgerecht erklärt wird. Deßhalb trägt Moses ^), nach Ver-kündigung des Gesetzes, kein Bedenken,Himmel und Er-de darüber zu Zeugen zu nehmen, daß er Israel Leben undTod, Böses und Gutes vorgelegt habe." Auch läßt es sichnicht ableugnen, daß der vollkommene Gehorsam gegen dasGesetz, wie es vom Herrn verheißen ist, ewige Seligkeitals Belohnung zu erwarten hat. Dagegen ist wieder zu

1) Gsl. z, 19. 2) s Mos. 30, lS.