Z«1
rauben? KeineSwegeS; vielmehr suchten sie, als die wahr-haftigen Ausleger desselben, die Blicke des Volks auf denZweck derselben hinzulenken, den es aus den Augen verlo-ren hatte. Schon aus der, den Juden dargebotenen, Gna-de läßt sich mit Gewißheit folgern, daß das Gesetz nichtohne Christus war. Denn das eben stellte ihnen Moses alsden Zweck ihrer Erwählung dar, daß sie sollten Gott einpricsterliches Königreich scynJ, wozu sie nur durch eineandere und bessere Versöhnung gelangen konnten, als durchdas Blut der Thiere. Was wäre widersprechender, alsdaß Adamskinder, die befleckt mit dem Erbübel allesammtals Knechte der Sünde geboren werden, zur königlichenWürde erhoben, und auf diese Weise der Herrlichkeit Got,tcs theilhaftig werden sollten, wenn ihnen nicht anders wo-her solche Auszeichnung verliehen wird? Wie konnte dasVorrecht des Pricsterthums bei ihnen, die um ihrer Sün-den willen vor Gott verworfen waren, wohnen, wenn sienicht in einem heiligen Haupte geweihct worden wären?Sehr schön benutzt daher Petrus jenen Ausspruch Mose,indem er zeigt, daß die Fülle der Gnade, von der die Ju-den unter dem Gesetze nur einen Vorschmack empfangenhatten, in Christo dargeboten sey. „Ihr seyd das aus-erwählte Geschlecht, das königl. Priesterthnm,"sagt er2), und giebt durch diese Umkehrung der Worte zuverstehen, daß diejenigen, denen Christus durch das Evan-gelium erschien, mehr empfangen haben, als ihre Väter,indem sie alle der priesterlichen und königlichen Würde theil-haftig geworden sind, so daß sie, im Vertrauen auf ihrenMittler, frei und fröhlich vor Gottes Antlitz treten können.
2. Hierbei ist noch beiläufig folgendes zu bemerken: dasendlich, in Davids Familie aufgerichtete Königthum warein Theil des Gesetzes und enthalten in dem Amte Mose,woraus folgt, daß in dem ganzen levitischcn Stamme so,wohl, als in Davids Nachkommen Christus den Augen deS
1) 2 Mss. 19, 6. 2) 1 P-tr. 2, S.