559
da ihnen der Mittler fehlte, unmöglich Gottes Barmherzig-keit wahrhaft zu empfinden, und somit überzeugend zu er-kennen , daß er ihnen Vater sey. Weil sie sich also nicht andas Haupt hielten, d. i. an Christum, so war ihre Gottes-erkenntniß eitel und leer, und so geschahe es, daß sie inallerlei finstern, abscheulichen Aberglauben verfielen, undihre Unwissenheit verriethen, wie es heut zu Tage bei denTürken der Fall ist, die mit vollen Backen des SchöpfersHimmels und der Erde als ihres Gottes sich rühmen, aberweil sie Christum verwerfen, an die Stelle des wahrenGottes einen Götzen setzen.
Kapitel VII.
Das Gesetz wurde nicht gegeben, um das alte Volk auf dasselbe zu beschränken,sondern um die Hoffnung des Heils in Christo bis zu seiner Ankunftzu erhalten.
t. Die vorhergehende Untersuchung zeigt zu Genüge,daß das Gesetz, etwa 400 Jahre nach Abrahams Tode, nichtdeßwegen gegeben sey, um das auserwählte Volk von Chri-sto abzuführen, sondern um die Gemüther bis auf seineAnkunft in Erwartung zu erhalten, und das Verlangennach ihm zu beleben und zu stärken, damit es durch längernVerzug sich nicht verlöre. Unter dem Gesetze verstehe ichaber nicht blos die zehn Gebote, welche eine Anweisungzum frommen und heiligen Wandel enthalten, sondern dieganze Religiousanstalt, welche Gott durch Moses einführenließ. Denn Moses kam nicht als Gesetzgeber, um die demGeschlecht Abrahams gegebene Verheißungen künftigen Heilsaufzuheben; vielmehr erinnerte er wiederholt die Juden auden mit ihren Vätern geschlossenen Guadeubund, dessen Ev-