N0
die Vorbcreitungsstättc zum ewigen Leben und zur völligenSeligkeit seyn; aber nach dem Sündenfalle begegnet unsallenthalben der Fluch'Gottes, welcher, da er unschuldigeKreaturen durch unser Verschulden trifft, uns mit Ver-zweiflung erfüllen muß. Denn obgleich Gott noch auf viel-fältige Art seine väterliche Huld uns beweiset: so könnenwir doch aus der Betrachtung der Welt nicht den Vatererkennen, indem das eigene Gewissen uns innerlich verur-theilt, und in der Sünde eine gerechte Ursache unserer Vcr-stoßung nns vorhält, weßhalb Gott uns nicht für seineKinder achten und erkennen könne. Dazu kömmt auch Vcr-düsterung und Undank, so daß wir in unserer Blindheitdie Wahrheit nicht erkennen, und bei der Vcrdcrbthcit allerunserer Sinne boshafter Weise Gott seiner Ehre berauben.Wir halten uns also an den Ausspruch des Apostel Pau-lus^): „dieweil die Welt durch ihre WeisheitGott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefieles Gott wohl, durch thörichte Predigt selig zumachen die, so daran glauben." Unter der WeisheitGottes versteht er nämlich den großen Schauplatz Himmelsund der Erde erfüllt mit zahllosen Wundern, aus welchenGott weislich erkannt werden sollte; aber weil wir ihn dar-aus so wenig erkannt haben, so ladet er uns zum Glau-ben an Christus ein, welcher den Ungläubigen eine Thor-heit und ein Aergerniß ist. Mag aber immerhin der ver-messenen menschlichen Vernunft die Predigt vom Kreuz Chri-sti nicht zu sagen: so müssen wir uns dennoch demüthig ansie halten, wenn wir zu Gott unserm Schöpfer, von demwir entfremdet sind, zurückkehren, und an ihm wieder denVater haben wollen. Wenigstens nach dem Falle des erstenMenschen half die Erkenntniß Gottes nichts, zur Seligkeitohne den Glauben an den Mittler, da Christus offenbarnicht blos von seiner Zeit redet, sondern alle Zeitalter um-fasset, wenn er spricht"): „das ist das ewige Leben,
1) 1 Cor. 5, 21. 2) Joh. 17, 3.