341
wir als Gottes Gabe uns erbitten, unser genannt wird.Wollen sie als Bcsitzthum sich aneignen, was wir durchGottes Huld und Gnade als das Unsere empfangen, ohneein Recht darauf zu haben? Mögen sie also entweder die-se Bitte im Gebete des Herrn für abgeschmackt erklären,oder aber sich daran nicht stoßen, daß gute We ke unseregenannt werden, ob wir gleich keinen andern Antheil daranhaben, als wozu Gottes Güte uns ermächtigt. „Aber —sagt man — noch beweisender ist, wenn die Schrift oftmalsversichert, daß wir selbst es sind, die Gott verehren, nachseiner Gerechtigkeit trachten, dem Gesetze gehorchen und derguten Werke uns befleißigen. Da das eigenthümliche Ge-schäfte der Vernunft und des Willens sind: wie könnten siedem heil. Geiste und zugleich uns zugetheilt werden, ohnedaß unser Bemühen mit der göttlichen Kraft in Gemeinschaftstände?" Dieser nichtige Einwurf widerlegt sich von selbst,wenn ich an die Art erinnere, wie des Herrn Geist in denHeiligen sein Werk vollführt. Nur eine äußerliche Achnlich-keist stellt man uns entgegen: denn wer wäre wohl so aber-witzig, daß er nicht den Unterschied zwischen der Anregungeines Menschen und der Bewegung eines Steines einsehensollte? Nichts dergleichen folgt aus unserer Lehre. Zu dennatürlichen Fähigkeiten des Menschen rechnen wir: Billigen,Verwerfen; Wollen, Nichtwollen; Streben, Widerstreben;nämlich Billigung des Eitcln, Verwerfung des Unvergäng-lichen, Wollen des Bösen und Nichtwollen des Guten, Stre-ben nach der Ungerechtigkeit und Widerstreben der Gerech-tigkeit. Was und wie wirkt hier- der Herr? Wenn er sol-cher Bosheit sich als eines Werkzeugs seiner Strafgerech-tigkcit bedient, so leitet er sie nach seinem Wohlgefallendergestalt, daß er durch schlechte Haud sein gutes Werk för-dert. Aber können wir einen solchen Lasterhaften, welcherder Allmacht Gottes dient, indem er nur seine Lüste zu be-friedigen sucht, mit einem Steine vergleichen, der durch,fremde Hand und nicht durch eigene Kraft, Empfindungund Willen in Bewegung gesetzt wird? Wer sieht nicht de,n.