340
spänstigcn Volke fruchtlos sind, so will ich eine Zeitlaugmein Angesicht vor ihm verbergen, und es ins Elend versinkenlassen, um zu sehen, ob es endlich nach langen Leiden mei-ner wieder gedenkt, und mein Angesicht sucht. Das Weg-gehen des Herrn bezeichnet aber Entziehung der Weissagung.Zusehen, was die Menschen machen werden, heißt: durchmancherlei Plagen sie eine Zeitlang in der Stille bearbei-ten. Beides geschieht, um uns zur Demuth zurückzuführen:denn eher werden wir durch Unglücksfälle niedergebeugt,als gebessert, wenn der Herr nicht durch seinen Geist unszn diesem letztern besonders geschickt macht. Wenn er nun,voll Mißfallens über unsere fortgesetzte Halsstarrigkeit, undgleichsam müde unserer Widerspenstigkeit, ein wenig unsvernachläßigt und hintansetzt, indem er sein Wort uns ent-zieht, (in welchem er uns seine Nahe kund zu thun pflegt),und versucht, was wir, von ihm verlassen, thun werden:so schließt man daraus fälschlich auf ein freies Willensver-mögen iu uns, das er erproben wolle, da er doch nichtsanderes beabsichtigt, als uns von^unsercr Nichtigkeit zuüberzeugen.
14. Fünftens berufen sie sich auch auf den in derSchrift und im menschlichen Leben üblichen Sprachgebranch,welcher uns gute Werke und das Vermögen beilegt, sowohldas, was gut und dem Herrn wohlgefällig ist, als auchdas Böse zu thun. Sie sagen: „wenn uns nun Sündenmit Recht zugerechnet werden, weil sie von uns ausgehen,so müsse offenbar uns eben so ein Antheil an den gutenWerken zukommen. Denn es wäre doch vernunftwidrig,von uns zu sagen, daß wir etwas vollbringen, wozu wir,an uns selbst untüchtig wie Steine von Gott in Bewe-gung gesetzt werden müssen. Räumen wir also Gott auchden Vorzug ein, so zeigen doch jene Redensarten, daß wir,wenigstens nach der ersten Gnadenerweisung, ebenfalls dasUnsrige thun." Wenn sie blos auf diesen Ausdruck sichstützten, daß gute Werke die unsrigcn genannt werden, sokönnte ich ihnen erwiedern, daß auch das Brod, welches