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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
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in deinem Herzen, daß du es thust." Werden dieseWorte blos von den Geboten verstanden, so sind sie, ichgestehe es, für den gegenwärtigen Fall von großem Gewich-te. Denn wenn es auch leichtlich zu erweisen wäre, daßhier nicht von der leichten Beobachtung, sondern Erkenntnißderselben die Nede sey, so mögte doch vielleicht noch mancheBedenklichkcit übrig bleiben. Aber jeden Zweifel benimmtuns der Apostel, indem er, als ein zuverlässiger Ausleger,behauptet, Moses habe hier von der Lehre des Evangeli-ums gcrcdct.H Wollte hier ein Widerspenstiger erwiedern,der Apostel habe jene 'Stelle nur durch gewaltsame Verdre-hung auf das Evangelium bezogen: so mag er solche gott-tose Kühnheit selbst verantworten, kann aber auch noch durchetwas anders, als das Ansehen des Apostels, widerlegtwerden. Denn wenn Moses blos von den Geboten redete,so flößte er dem Volke ein ganz eiteles Selbstvertrauen ein.Würden sie sich selbst nicht zu Fall gebracht haben, wenn siedie Beobachtung des Gesetzes ^ als ein leichtes Werk, miteigenen Kräften versucht hatten? Wo aber bleibt die all-gemein angenommene Leichtigkeit der Gcsctzcserfüllung, wennder Zugang dazu durch einen gefährlichen Abgrund führt?Sicherlich deutete also Moses in jenen Worten auf den Gna-denbund hin, den er zugleich mit dem Gesetze verkündigthatte. Denn wenig Verse vorher (V. 8.) war von ihm ge-sagt:Gott müsse unsere Herzen beschneiden,damit wir ihn lieben." Darnach macht er die leichteErfüllung des Gesetzes, von der bald die Rede seyn wird,nicht von dem menschlichen Vermögen abhängig, sondernvon der Hülfe und dem Beistande des heiligen Geistes, deruns in unserer Schwachheit mächtig macht; jedoch nicht vonoen Geboten schlechtweg ist diese Stelle zu verstehen; son-dern vielmehr von den Verheißungen des Evangeliums,welche uns alles Vermögen, die Gerechtigkeit selbst zu er-ringen , gänzlich absprechen. Die Wahrheit nun, daß uns

-1) Röm. 10, 8.