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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
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ganz zwecklos seyn würde. Sie gebehrden sich, als ob siePauli Worte über das Gesetz nie gelesen hätten H:dasGesetz ist der Uebertret un gen wegen dazu gekom-men; durch das Gesetz kommt Erkenntniß derSünde; das Gesetz erregt die Sünde; das Gesetzist neben eingekommen, auf daß dieSünde mäch-tiger würde." Nun, was will das sagen? Hatte Gottnach unsern Kräften das Gesetz beschränken sollen, damites nicht nutzlos sey? Vielmehr geht es über dieselben, umunsere Ohnmacht darzuthun. Wenigstens nennt derselbeApostelsdie Liebe des Gesetzes Ende und Erfül-lung," und giebt durch den Wunsch^:der Herr mö-ge die Liebe völlig werden lassen in den Thessa-lonich ern," zu erkennen, das das Gesetz vergeblich in un-sern Ohren klinge, wenn Gott nicht die Hauptsumme des-selben in unsern Herzen wirke.

7. Erklärte die Schrift das Gesetz nur für eine Lebens-regel, nach der wir unsern Wandel einzurichten haben: sowürde ich ihnen augenblicklich beistimmen. Aber da sie denvielfältigen Zweck des Gesetzes in klaren Worten darstellt,so müssen wir darnach erkennen, was das Gesetz dem Men-schen seyn solle. Im gegenwärtigen Falle genüge Folgen-des. Sie schärft uns zwar unsere Pflichten ein, aber lei-tet das Vermögen zur Erfüllung derselben von der GüteGottes ab, und ermuntert uns deßhalb, dasselbe unsvon ihm zu erbitten. Wenn blos das Gebot bestünde, oh-ne Verheißung, so müßten wir unsere Kräfte versuchen,ob sie zur Erfüllung des Gebotes hinreichten; aber da zu-gleich die Verheißungen beigefügt sind, welche laut ver-kündigen, daß von dem Beistande der göttlichen Gnadenicht blos Unterstützung, sondern die völlige Kraft ausgehe;so erhellet daraus genugsam nicht blos unsere Schwachheit,sondern unser gänzliches Unvermögen zur Beobachtung desGesetzes. Darum behaupte Niemand ferner, daß unsere

1) Gqt. Z, 10. Rom. 3, 20. 7, 7. S. 5, 20. 2) Rom. 10, 4- 13, 8.

10. Gal. ö, 10. l Tim. 1, Z. 3) 1 Thess. 3/1Z.