' 320
machte Pelagius auch schon auf den Augnstinus, den ichihnen aber nicht entgegenstellen will, bevor ich nicht erstselbst meine Behauptung gerechtfertigt habe. Ich leugnealso, daß die Sünde deßhalb weniger zugerechnet werdenkönne, weil sie nothwendig ist; ich leugne ferner ihre Fol-gerung, daß sie vermcidlich sey, weil sie von dem WillenabHange. Will aber jemand mit Gott rechten, und unterdem Vorwandc, daß er nicht anders gekonnt habe, derVcrurthcilung desselben sich entziehen; so erhält er die schonoben beigebrachte Antwort: nicht Schuld der Schöpfung,sondern der verderbten Natur ist es, daß die Menschen alsKnechte der Sunde nur Böses wollen können. Denn würdejenes Unvermögen, womit die Lasterhaften sich sogern ent-schuldigen, vorhanden seyn, wenn Adam sich nicht freiwilligder Herrschaft des Teufels ergeben hätte? Die Sündhaf-tigkeit, der auch wir unterworfen sind, hat also ihrenGrund in dem Abfalle des ersten Menschen von seinem Schö-pfer. Diesen Abfall büßen mit Recht alle Menschen, unddarum mögen sie sich nicht mit der Nothwendigkeit entschul-digen, da gerade diese der einleuchtendste Grund unsererVerdammniß ist. Oben ist das klar bewiesen, und an demTeufel ein Beispiel aufgestellt, daß, wer nothwendig sün-digt, nicht minder mit Willen sündigt; so wie bei den En-geln der Wille nicht aufhört Wille zu seyn, wie wohl erunabänderlich auf das Gute gerichtet ist. Dieselbe Meinunghat Beruhard unser Elend sey deßhalb so groß, weildie Nothwendigkeit eine freiwillige ist, die uns aber eincNsolchen Zwang anlegt, daß wir, wie schon gesagt, Knechteder Sünde sind. Das zweite Glied des Schlusses ist feh-lerhaft, weil er von dem Willen auf die Freiheit überspringt.Es ist jedoch bereits oben erwiesen, daß etwas mit Willengeschehen könne, ohne jedoch aus freier Wahl hervorzugehen.
2. Ein zweiter Einwurf lautet: „wenn nicht aus derfreien Wahl des Willens Tugend und Laster hervörgehen,
1) Lerino Lt. in O-inric».