Druckschrift 
Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
Entstehung
Seite
318
Einzelbild herunterladen
 

318

so antworte ich > sie seyen hinlängliche Beweise für die Be-hauptung , daß Gott, sobald er seiner Vorsehung den Wegbahnen will, auch in irdischen Dingen die Gesinnungen derMenschen leite, und daß von seinem Willen ihre Wahl ab-hänge. Dafür zeugt selbst die tägliche Erfahrung, auswelcher bekannt ist, wie oft es unS bei ganz verständlichenDingen an Einsicht, und bei gar nicht schwierigen an Muthgebricht; wie leicht wir uns dagegen in den verworrenstenAngelegenheiten zu rathen und zu helfen wissen, und in denwichtigsten und gefahrvollsten keine Schwierigkeiten erbli-cken. Auf solche Weise erkläre ich mir auch den AnsspruchSalomon'sH:ein hörendes Ohr und ein sehendesAuge macht beide der Herr;" wo er, wie ich glaube,nicht von Erschaffung, sondern von einer besondern Gna-denerweisung redet. Wenn er aber sagt°):des KönigsHerz ist in der Hand d es Herrn, und wie Was-serbache leitet er es, wohin er will;" so begreifter unter der Gattung sicherlich das ganze Menschengeschlecht.Denn wäre der Wille irgend eines Menschen unabhängig,so gebührte dies vornämlich dem Willen eines Königs, derüber Andere herrscht; ist aber dessen Herz in Gottes Hand,so sind es die unsrigcn nicht minder. Hierüber erklärt sichAugnstin^) auf folgende merkwürdige Weise:forschen wirsorgfältig in der Schrift, so zeigt sich, daß Gott nicht nur denbösen Willen der Menschen, den er zu einem guten umbil-det, auf gute Handlungen und das ewige Leben hinlenkt,sondern daß er auch den Willen der Herrscher dieser Zeitin seiner Hand hat, und sie, wie und wann es ihm gefällt,zum Segen oder zur Züchtigung der Welt, nach einem zwarunbegreiflichen, aber gerechten Rathschlusse, leitet.

8. Hier bedenke der Leser, daß das menschliche Willens-vcrmögcn nicht nach dem äußerlichen Erfolge zu beurtheilenist, wie es einige mit Unrecht zu thutt pflegett- Sie Meinen

1) Sprüchw. 20, 12. 2) Sprüchw. 21, 1. 3) v- ßr-aüa er liberosrbirrio -><1 V»lent. c> M.