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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
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11. Daß bie Ausdauer im Guten für ein Gnadcnge-schenk angesehen werden müsse, das würde eben so wenig,einem Zweifel unterworfen seyn, wenn nicht der arge Irr-thum sich verbreitet hatte, daß nach des Menschen Verdienstdieselbe vertheilt werde, jcnachdem jeder sich dankbar gegendie erste Gnade bewiesen habe. Weil jedoch dieser irri-.gc Lehrsatz ans der Meinung entstand, daß es in unsererMacht stehe, die dargebotene Gnade Gottes zu verschmä-hen oder anzunehmen: so fallt er mit dieser hinlänglich wi-derlegten Meinung von selbst; Jedoch ist ein doppelter Irr-thum dabei: denn außerdem, daß sie unserer Dankbarkeitgegen die erste Gnade, und dem ordentlichen Gebrauche der-selben das Nachfolgende als Belohnung zuschreiben, sagensie auch noch, daß nun die Gnade nicht allein in uns, son-dern nur mit uns wirke; Was das erste betrifft, so ist die-ses zu bemerken. Der Herr^), der seine Knechte eine Zeit-lang mit vielen Gütern versieht/ und mit neuen Gnaden-rrweisungen überhäuft, weil das Werk, das er in ihnenansing, ihm wohlgefällig ist, findet in ihnen, was er nochgrößerer Gnade würdig achtet. Dahin gehören die Aus-sprüche :W er da hat, demwird gegeben werden/''und:Ei du frommer uud getreuer Knecht, dllbist über wenig getreu gewesen, ich will dich überviel setzen." Aber vor zweierlei haben wir uns zu hü-ten: zuerst, daß wir die nachfolgenden GNadcncrweisungennicht eine Belohnung für die gute Anwendung der erstenGnade nennen, als wenn der Mensch durch seine eigeneBemühung die Gnade Gottes erst wirksam bei sich wache;und zweitens, daß wir dabei nicht an eine Belohnung denkeit/die aufhöre ein Gnadengeschenk zu seyn. Ich bekenne also/die Gläubigen müssen auf diesen Segen Gottes warten/wodurch sie, einen je bessern Gebrauch sie von der frühernGnade gemacht haben, nachher einet desto größern theilhaf-tig werden; aber diesen Gebrauch sowohl/ als auch diese

1) Vergl. Matth. 25/ 14Calvins Inst, 1r Bd;

M> Suk. 19/ 12 2N.

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