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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
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beginnt und vollendet also der Herr das gute Werk in uns:von ihm kömmt es zuerst, daß wir das Gute liebgewinnen,wahrhaft danach verlangen und ihm nachjagen; alsdanndaß diese Liebe, dieses Bestreben und Ringen nicht aufhöre,sondern bis zum wirklichen Vollbringen des Guten fortge-he; und endlich daß wir standhaft und treu darin aushar-ren bis ans Ende.

10. Gott wirkt aber nicht, wie viele Jahrhunderte hin-durch gelehrt und geglaubt ist, das Wollen so, daß es eine Sacheder Wahl bleibt, ob wir die göttliche Gnade annehmen oderihr widerstehen wollen, sondern daß unser Wille kräftiglichergriffen wird. Nothwendig muß daher die Meinung desChrysostomus verworfen werden, der mit den Worten:Gott ziehet den, der da will," offenbar lehrt, daß Gott unsnur seine Hand darbiete, und erwarte, ob es uns beliebe,seine Hülfe anzunehmen. Ich gebe zu, daß der erste Mensch,im Stande der Unschuld, sich frei zu dem Einen oder an-dern entschließen konnte; aber da sein Beispiel uns lehrt,wie schlecht es um den freien Willen steht, wenn Gott nichtin uns will und wirkt; was würde aus uns werden, wennGott uns auf diese Art seine Gnade zuwendete? Vielmehr, wirverdunkeln und stören sie durch unsere Undankbarkeit. DerApostel sagt nicht, daß Gott uns den guten Willen anbiete,und es abwarte, ob wir seine Gnade annehmen, sonderndaß er selbst in uns das Wollen wirke, d. h. aber nichtanders, als: der Herr erweicht, leitet und regiert durchseinen Geist unser Herz, und hat in demselben gleichsamseine Wohnung aufgeschlagen. Auch verspricht er durch denEzechielJ, seinen Erwählten einen neuen Geist nicht dazublos zu geben, damit sie in seinen Geboten wandelnkönnten, sondern wirklich darin wandeln. Eben so ist auchder Ausspruch Christi zu verstehen:wer es höret vonmeinem Vater, der kömmt zu mir," womit er leh-ret, daß die Gnade Gottes für sich allein wirksam sey, wie

1) C. 11, 19. C. 56, 26. 27.