erst kennen gelernt haben, auch unsere Armuth sogleich sichtbarwerden. Schreibt nun der Apostel an die PhilipperH: „ichbin desse lbigen in guter Zuversicht, daß, der ineuch angefangen hat das gute Werk, der wird esauch vollführen, bis an den Tag Jesu Christi;"so bezeichnet er mit dem Anfangen des guten Werkes offen-bar die im Willen beginnende Umwandlung. Das gute Werkfängt Gott also in uns dadurch an, daß er in unsern Her-zen Liebe, Verlangen und Trachten nach der Gerechtigkeiterweckt, oder, genauer zu reden, daß er unsere Herzenerweicht, umbildet und hinlenkt zur Gerechtigkeit; aber ervollendet es dadurch, daß er uns zur Beharrlichkeit stärket.Um nun die Einwendung zu verhüten, daß Gott nur inso-fern der Anfanger des Guten in uns sey, als er unsernan sich schwachen Willen unterstütze: so erklärt der GeistGottes2), was der sich überlassene Wille vermag. „Ichwill euch — spricht er — ein neues Herz geben undeinen neuen Geist in euch legen, und will dassteinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen,und euch ein fleischerncsHerz geben; und ich willmeinen Geist in euch geben, und will solche Leu-te aus euch machen, die in meinen Geboten wan-deln." Wie kann man also sagen, daß nur der schwachemenschliche Wille gestärkt werde, um nach dem Guten thä-tig zu verlangen, da er ganz umgewandelt und erneuertwerden muß? Ist in einem Stein eine solche Weichheit, diedurch Nachhülfe so zart werden kann, daß sie jede Biegungannimmt; so will ich zugeben, daß auch das menschlicheHerz zum Gehorsam des Guten lenksam sey, wenn nurGottes Gnade was in ihm unvollkommen ist, ergänze. Wirdaber mit diesem Gleichnisse gezeigt, daß aus unserm Herzendurchaus nichts Gutes kommen könne, wenn es nicht ganzerneuert werde: so wollen wir auch nicht zwischen Gott unduns theilen,, was er sich allein zueignet. Verwandelt sich als»
t) Phil, 1, e. 2) Tzech. 36, 25»,