der dem Augustin beistimmt, erklärt sich alsoJ: „der Menschallein ist unter den Geschöpfen frei, und doch leidet er selbstvermittelst der Sunde, einige Gewalt, aber von dem Wil-len, nicht von der Natur, daß er also nicht einmal seineangeborne Freiheit verliert. Denn was mit Willen geschieht,ist frei." Und kurz darauf: „dergestalt schaffet sich derdurch die Sünde verderbte Wille auf eine ganz wunderbareund schlimme Weise die Nothwendigkeit, daß die Nothwen-digkeit, da sie freiwillig ist, den Willen nicht entschuldigenkann, und der Wille, da er gelockt worden, die Nothwen-digkeit nicht ausschließt. Denn diese Nothwendigkeit ist ge-wissermaßen freiwillig." Alsdann sagt er, uns drücke einJoch, aber kein anderes als das einer freiwilligen Knecht-schaft; in Hinsicht der Knechtschaft seyen wir zu beklagen,in Betreff des Willens nicht zu entschuldigen, weil derWille, da er anfangs frei war, sich der Sünde dienstbarmachte. Endlich schließt er: „So ist die Seele wegen die-ser Nothwendigkeit, in welcher sie sich dnrch den Willenund durch die klägliche Freiheit befindet, dienend und frei:dienend wegen der Nothwendigkeit, frei wegen des Willens,und zwar, was noch seltsamer und elendiger ist, deßhalbschuldig, weil sie frei ist, und dienstbar um der Schuldwillen, und sonach wegen der Freiheit dienstbar." Hierausersehen die Leser wenigstens, daß ich nichts anders behaup-te, als was bereits Augustinus in Uebereinstimmung mitallen Frommen ausgesprochen hat, und was fast tausendJahre nachher in den Mönchsklöstern die allgemeine Mei-nung war. Weil aber Petrus Lombardus zwischen Noth-wendigkeit und Zwang nicht zu unterscheiden wußte, ver-anlaßte er einen verderblichen Irrthum.
6. Andererseits verlohnt es sich der Mühe, des Mit-tels zu gedenken, wodurch die göttliche Gnade der natür-lichen Gebrechlichkeit abhilft. Denn da der Herr durch dieseHülfe uns das Fehlende mittheilt, so wird, wenn wir sie
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