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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
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Geist der Gottesfurcht; woraus wir lernen, daß Alle, dievon Christo entfremdet sind, der Gottesfurcht ermangeln,welche der Weisheit Anfang ist/) Wie sehr auch solche,durch eiteln Schimmer uns täuschende, Tugenden auf demMarkte der Welt oder in dem gemeinen Rufe der Menschenerhoben werden mögen: vor dem himmlischen Richterstnhlewerden sie zur Erlangung der Gerechtigkeit keinen Werth haben.

5. Da also der Wille in der Knechtschaft und den Fes-seln der Sünde liegt, so kann er sich zu dem Guten nichthinbewegcn, geschweige denn es erfassen. Denn diese Re-gungen sind der Anfang der Bekehrung zu Gott, welche dieSchrift ganz allem der Gnade Gottes zuschreibt. Darumbetet der Prophet Jercmias ^) zu Gott, ihn zu bekehren,wenn er seine Bekehrung wolle; und nennt in demselbenKapitels, wen» er die geistige Erlösung des glaubigenVolks beschreibt, dieselbe eineErrettung aus der Handdes Mächtigen," mit welchen Worten er die harte Knecht-schaft des Sünders bezeichnet, so lange dieser von demHerrn verlassen in der Gewalt des Teufels ist. Dessen un-geachtet bleibt der Wille, der mit überwiegender Lust eil-fertig zum Sündigen sich neiget: denn nicht den Willenverlor der Mensch, da er in diese Zwangherrschaft sich hin-gab , sondern die Gesundheit des Willens. Nicht unpassendsagt Bcrnhardus, das Wollen sey in uns Allen, aber Gu-tes Wollen sey ein Vorschritt, Böses Wollen ein Rückgang.Also einfach Wollen sey des Menschen; bös Wollen derverderbten Natur, gut Wollen der Gnade. Wie ferner dieBehauptung, daß der seiner Freiheit beraubte Wille noth-wendig zum Bösen hingezogen werde, Einigen eine zu harteRede dünken könne, ist zu verwundern, da sie weder etwasuncrwcislichcs enthält, noch auch den Aussprüchcn derFrommen widerspricht. Sie kann aber auch nur diejenigenbefremden, die zwischen Nothwendigkeit und Zwang nichtzu unterscheiden wissen. Aber was mögen sie dem antworten,

1) Ps- 111, 10. 2) K. 31, 18. 3) B. 11.