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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
Entstehung
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290
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WO

seyn, als ein wüthendes Thier, und ungestümer, als einbrausender Strom, der seine Ufer durchbricht, und weitund breit das Land überschwemmt. Bei seinen Auserwähl-ten heilt der Herr jene Gebrechen auf eine Art, wie wirsie bald kennen lernen werden. In Andern zügelt und be-schränkt er diese Lüste, damit sie nur nicht zu sehr aufbrau-sen, ganz so wie es, nach seiner Vorhcrsehung, die Erhal-tung der allgemeinen Wcltordnnng erfordert. Daher hältEinige die Schaam, Andere die Furcht vor den Gesetzenvon vielen Schandthaten zurück, ob sie gleich ihre Unrci-nigkeit größtentheils nicht verbergen können. Andere suchenihres Nutzens halber den Ruf und Schein einer ehrbarenLebensweise. Noch Andere erheben sich über das gemeineWesen, um durch ihr Ansehen Andere in ihrer Pflicht zuerhalten. Auf diese Weise beschränkt also Gott den ver-kehrten Sinn des Menschen, daß er nicht in That ausbrc-che; aber er vertilgt ihn nicht.

4. Jedoch noch ist der Zweifel nicht gelöst. Denn wirmüssen entweder den Camillns dem Eatilina gleichstellen;oder aber wir haben am Camillns einen Beweis, daß diemenschliche Natur, wenn sie mit Sorgfalt ausgebildet wird,nicht ganz vom Guten entblößt sey. Ich gestehe gern: dieglänzenden Eigenschaften des Camillns waren auch GabenGottes, und sind, an sich betrachtet, mit Recht lobcnswcrth;aber sind sie deshalb Beweise der natürlichen Reinheit des-selben? Wir müssen auf die Gesinnung zurückgehen, undalso schließen: wenn der natürliche Mensch durch solche Un-schuld und Reinheit sich ausgezeichnet hat, so fehlt dermenschlichen Natur nicht schlechterdings das Vermögen zurTugend. Wie aber, wenn das Herz böse und verkehrt war,und eher nach allem andern, als nach dem Rcinguten trach-tete? Und hieran kann nicht gezweifelt werden, wenn je-ner, wie du zugestehst, ein seinem natürlichen Gefühle fol-gender Mensch gewesen ist. Wie willst du mir hier dasVermögen der menschlichen Natur zum Guten rühmen, wennsie bei dem größten Scheine der Unschuld stets zum Böse»