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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
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3. Fast ein gleiches Bedenken, wie wir bereits oben ge-löst haben, begegnet uns auch hier. Zu allen Zeiten gabes einzelne Menschen, welche bei ihrem Naturvcrmögen derTugend ihr Lebenlang sich befleißigten. Und ich gestehe?wenn auch viele Fehler in ihrem Wandel bemerkbar gemachtwerden können, so haben sie doch schon durch die bloße Nei-gung zur Ehrbarkeit einen Beweis gegeben, daß ihre Na-tur nicht von aller Reinheit entblöst war. Welchen Werthnun vor Gott dergleichen Tugenden haben, darüber mußich, wiewohl weitläufiger davon bei Betrachtung über dasVerdienst guter Werke die Rede seyn wird, auch hier, soweit es zur Lösung gegenwärtiger Aufgabe nöthig ist, micherklären. Jene Beispiele scheinen uns also zu erinnern, diemenschliche Natur nicht für durchaus verderbt zu halten,da einige, eigenen Antriebs, nicht nur einzelne vortrefflicheHandlungen verrichteten, sondern auch fortwährend einenanständigen Lebenswandel führten. Aber wir dürfen es hiernicht übersehen, daß bei jenem Verderben der menschlicheuNatur die göttliche Gnade in's Mittel trat, nicht, um esaufzuheben, sondern es innerlich zu beschränken. Denn wennder Herr einem Jeglichen es zuließe, in zügellosen Lüstenaller Art auszuschweifen: so würde es gewiß Keinen geben?der es nicht durch die That erweise, daß in ihm alles jenesBöse sich finde, dessen Paulus die gcsammte Natur beschul-digt. Wie nun? Nimmst du dich aus von denen, derenFuße schnell sind, unschuldiges Blut zu vergießen; derenHände Raub und Mord besudelt; deren Mund offnen Grä-bern gleicht; deren Zungen voll Falschheit, deren Lippen> voll Gift, deren Werke böse, ungerecht, sündig nnd ver-derblich sind; die nach Gott nicht fragen, arge Gedankenin ihrem Herzen unterhalten, auf Andere lauern, sie ver-höhnen, und zu Schandthaten aller Art bereit find? Wennaber? wie der Apostel keck behauptet, jeder Mensch zn al-len dergleichen unnatürlichen Dingen hinneigt, so sehen wirwenigstens, was geschehen würde, wenn der Herr die Lust nachihrer Willkühr ausschweifen ließe, Rasender noch würde erCalvins Inst, kr, Bill 19