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zu Rathe, noch wendet er sonst die gehörige Aufmerksamkeitan, sondern ohne Vernunft und Uebcrlegung folgt er, gleichdem Thiere, seiner natürlichen Neigung. Es hat also garkeine Beziehung auf die Freiheit des Willens, daß der Mensch,von Natur nach dem Guten verlangt; sondern dazu ist viel-mehr erforderlich, daß er das Gute mit richtiger Einsichtunterscheide, das erkannte Gute wähle, und das erwählte iGute erstrebe. Und damit bei Keinem ein Zweifel übrig blei-be, so übersehe man nicht den doppelten Trugschluß. Dennerstlich wird hier unter dem Worte Begehren nicht eineNeigung des Willens, sondern die natürliche Neigung ver-standen; und das Wort Gutes bezeichnet nicht Tugendoder Gerechtigkeit, sondern einen bloßen Zustand, nämlichdas Wohlseyn des Menschen. Ferner wie sehr auch derMensch das Gute begehrt, so geht er ihm doch nicht nach;eben so wie ein jeder die ewige Seligkeit für ein köstlichesKleinod halt, aber nur auf Antrieb des Geistes wahrhaftdarnach verlangt. Wenn also das natürliche Verlangen derMenschen nach Wohlseyn kein Beweis für den freien Willen,sondern dasselbe nur der eigenthümlichen Beschaffenheit derMetalle und Steine zu vergleichen ist, die sich blos durchAnhäufung ihrer Masse vergrößern: so haben wir dagegenzu untersuchen, ob der Wille so ganz verdorben ist, daßnur Böses aus ihm hervorgeht, oder ob ihm noch in ir-gend einem Theile, soviel Reinheit verblieb, aus welchergute Bestrebungen hervorgehen mögen.
27. Leiten Einige von der ursprünglichen Gnade Got-tes unser thatiges Wollen ab: so geben sie nicht undeutlichzu verstehen, daß die Seele das Vermögen habe, von selbstnach dem Guten zu verlangen, aber zu kraftlos sey, daßin ihr eine wirkliche Begierde danach entstehen, oder daßsie ihm nachjagen könnte. Dieser Meinung des Origcnesund einiger alten Kirchenväter treten ohne Zweifel die Scho-lastiker bei, da sie den Menschen gewöhnlich in seinem na-türlichen Zustande betrachten, den der Apostel mit den Wsr-