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ob cr gleich wiedergeboren und in der Gottseligkeit bedeu-tend fortgeschritten war, so hält er sich doch stets und fürjeden Augenblick der besondern Leitung bedürftig, um vonder erlangten Erkenntniß nicht wieder abzukommen. Wes-halb er auch anderswo bittet'): ihm, wasj er durchseine Schuld verloren hatte, einen neuen gewisse» Geist zugeben, weil es von Gott abhängt, das, was er anfangsverliehen hatte, uns aber auf eine Zeitlang entrissen war,wieder zu geben.
26. Unsere Untersuchung lenkt sich nun auf das Bcgeh-rnngsvermögen, in welchem die Freiheit des Willens haupt-sächlich zu suchen ist, da die Wahl, nach unserer obigenBehauptung, mehr dem Begehrungsvermögen, als demVerstände zukommt. Damit aber vorerst Niemand darin,daß (wie nach dem Vorgänge der Philosophen allgemeinangenommen wird) Alles durch natürlichen Trieb das Gutebegehre, einen Erweis der Vollkommenheit des menschlichenWillens finde: so sey hier bemerkt, daß der freie Wille nichtin einem solchen Begehren zu suchen sey, welches mehr auseiner wesentlichen Neigung der menschlichen Natur, alsaus Ueberlegung der Vernunft hervorgeht. Denn auch dieScholastiker nehmen nur da eine freie Willensthätigkeit an,wo die Vernunft auf entgegengesetzte Dinge gerichtet ist,indem sie einsehen, der Gegenstand des Begehrens müsseein solcher,seyn, der der Auswahl unterliege, und die Ueber-legung gehe voraus, um der Wahl den Weg zu öffnen. Be-trachtet man nun jenes natürliche Begehren des Guten imMenschen näher, so findet man, daß er es mit den Thierengemein hat. Auch bei diesen findet sich ein Verlangen nachWohlseyn, und sie gehen dahin, wo sie es nach ihrem In-stinkte zu finden hoffen. Der Mensch aber wählt einerseitsweder mit Ueberlegung, was für ihn nach der Würde sei-nes unsterblichen Geistes wahrhaft gut ist, noch sucht cr eseifrig zu erjagen; andererseits zieht er weder seine Vernunft
1) Ps. ZI, 12.