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dem allein Heiligkeit und Gerechtigkeit angenehm ist? Esbleibt also gewiß, daß die Vernunft unserer Seele, wohinsie sich neiget, elendiglich der Eitelkeit Unterthan ist. Die-ser Schwachheit war sich auch David') bewußt, als er umVerstand bat, um die Gebote des Herrn recht zu lernen.Er giebt dadurch zu erkennen, daß sein Verstand keines-wegs hinreiche, da er einen neuen sich wünscht. Und nichteinmal blos betet er so, sondern wiederholt dieses Gebetsehr oft in demselben Psalmc; ein Beweis von dem großenBedürfniß seines Herzens. Was dieser nun blos für sicherbittet, das erflehet der Apostel Paulus für alle Christen.-)„Wir hören nicht auf—spricht er — für euch zubeten und zu bitten, daß ihr erfüllet werdet mitErkenntniß seines Willens, in allerlei geistli-cher Weisheit und Verstand, daß ihr wandeltwürdiglich dem Herrn :c." So oft er dies aber füreine Wohlthat Gottes erklärt, bezeugt er dadurch, daß sienicht in des Menschen Vermögen stehe. Dieses Unvermö-gen der menschlichen Vernunft zur Erkenntniß göttlicherDinge nimmt auch Augustinus^) an, und zwar ein solches,daß sie, nach seiner Meinung, die Gnadcnerlcuchtung ebenso sehr bedürfe, als unsere Augen das Sonnenlicht. Undnicht zufrieden hiemit, fügt er hinzu: „unsere Augenkönnen wir öffnen, um da s T a g e s li ch t z n sehen;die Augen unsers Herzens aber bleiben ver-schlossen, wenn sie der Herr nicht öffnet." Auchist, nach dem Zeugnisse der Schrift, unsere Erleuchtungnicht etwa das Werk eines Tages, sondern wir bedürfeneines fortwährenden Beistandes, um zu wachsen und zuzu-nehmen in allem Guten; und darauf eben bezieht sich jenesPaulinische Gebet. Dies spricht David so schön mit denWorten aus'): „ich suche dich von ganzem Herzen,laßmichnicht weichen von deinen Gebote n." Denn
1) Ps. 119, 34. 2) Col. 1, 9. ?c. Phil, 1, 9. ?c. 3) ve xeccatt mc.ritis er remissions Üb. 2. c. Z. 4) Ps. 119, 10.