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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
Entstehung
Seite
278
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prüfen, welches das Muster vollkommncr Gerechtigkeit ist:so werden wir uns bald überzeugen, in wie vielerlei Rück-sicht sie verfinstert sey. Wenigstens von dem, was die er-ste Gcsetztafel besonders enthalt, vernimmt sie gar nichtsaus sich, wie vom Vertrauen auf Gott, von der Verherr-lichung seiner Heiligkeit und Gerechtigkeit, von der Anru-fung seines Namens, von der wahren Seelenruhe. Wel- ieher Mensch ahndete jemals vermittelst seiner natürlichenKräfte, daß in diesen und ahnlichen Dingen die Gott schul-dige Verehrung bestehe? Denn so oft auch ungläubigeMenschen, die Gott anbeten wollen, von ihren Thorheitenzurückkommen, so fallen sie doch immer wieder in ihr eitlesWesen zurück. Sie sagen, daß Gott keinen Gefallen auOpfern habe, wenn die Lauterkeit des Herzens fehlt, unddabei zeigen sie einige Vorstellungen von der geistigen An-betung Gottes; aber sie vertauschen dieselbe bald wieder miteinem selbst ersonnenen Gottesdienste. Von der Wahrheitdessen, was das Gesetz darüber vorschreibt, wird man sienie überzeugen können. Kann man also der Vernunft eineErkenntniß des Gesetzes zuschreiben, da sie weder für sichetwas davon vernimmt, noch auf Erinnerungen hören will?Von den Geboten der zweiten Gesetztafel weiß sie etwasmehr, da diese sich vornämlicy auf die Erhaltung der bür-gerlichen Ordnung unter den Menschen beziehen; wiewohlauch hier ihre Mängel zuweilen offenbar werden. Denngerade die talentvollsten Köpfe halten es für thöricht, eineallzu ungerechte und tyrannische Herrschaft langer zu dul-den, wenn sich günstige Gelegenheit findet, das Joch abzu-schütteln. Eben so urtheilt die menschliche Vernunft, underklärt es für feigen Kncchtessinu, eine solche Regierungsich gefallen zu lassen, aber für ehrenvoll und hochherzig,dieselbe umzustürzen. Auch erlittene Beleidigungen zu rä-chen, gilt bei den Philosophen für keine Sünde. Jedochverwirft der Herr jene gerühmte Hochherzigkeit, und em-pfiehlt den Seinen die unter den Menschen übel berüchtigteGeduld. Besonders aber entgeht unserm Scharfsinn bei der