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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
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schwindlichcn Phantasie. Zwar ließ sie der Herr, wie schonoben gesagt ist, etwas von seinem göttlichen Wesen verneh-men, auf daß sie ihre Gottlosigkeit nicht mit der Unwissen-heit entschuldigen könnten, und veranlaßte sie zu Bekennt-nissen, die gegen sie selbst zeugen mußten; aber was sie sa-hen, sahen sie so, daß sie durch ihre Ansicht nicht einmalzur Wahrheit geführt wurden, geschweige denn sie fanden.Gleich wie in der Nacht ein Wanderer mitten auf dem Fel-de den Blitzstrahl von allen Seiten in einem Augenblickewahrnimmt, aber dieses Licht so plötzlich wieder verliert,daß schon das Dunkel der Nacht ihn einhüllt, bevor er nurum einen Schritt weiter gekommen ist: eben so wenig kommtder Mensch bei solcher Hülfe auf den rechten Weg. Außer-dem, jene Tröpfchen Wahrheit, womit sie wie durch Zufallihre Bücher besprengen, mit wie vielen und ungeheuren Lü-gen sind sie besudelt? Endlich jene Gewißheit von GottesNaterhuld gegen uns, ohne welche der Geist des Menscheneiner unermeßlichen Verwirrung unterliegen muß, ahndetensie auch nicht einmal von ferne. Also zu dieser gewissen Er-kenntniß von dem wahren Wesen des lebendigen Gottesund von seinem Verhältniß zu uns kann die menschlicheVernunft sich nicht erheben noch gelangen.

19. Aber da wir uns, berauscht von der thörichten Ein-bildung unseres Scharfsinns, nur mit Mühe überzeugenlassen, daß wir in göttlichen Dingen ganzlich blind und nn-wissend sind: so möchte es wohl besser seyn, auf die Zeug-nisse der Schrift zu verweisen , als durch Vcrnunftschlüsseden Beweis zu führen. Der Evangelist Johannes bestätigtganz herrlich jene Behauptung in der bereits angeführtenStelle ft:am Anfange war in Gott das Leben,und das Leben war das Licht der Menschen; unddas Licht scheinet in derFinsterniß, und dieFin-sternißhat es nicht begriffen." Hicmit deutet eran: die menschliche Vernunft werde zwar von dem göttli-

1) J°h, t, 4. S.