Wir
thümlicheu Einsicht; aber weil sie ohne Unterschied Frommenund Gottlosen zu Theil wird, so wird sie mit Recht zu dennatürlichen Gaben gerechnet.
15. So oft wir also die heidnischen Schriftsteller lesen,wollen wir an dem bewundernswürdigen Licht, das aus ih-nen uns entgegen strahlet, erkennen, daß die menschlicheSeele, wie sehr sie auch von ihrer ursprünglichen Vollkom-menheit verloren hat, und verderbt worden, doch immernoch mit ausgezeichneten Gaben von Gott bekleidet und ge-schmückt sey. Halten wir den Geist Gottes für die einigeQuelle der Wahrheit, so werden wir diese, wo sie sich auchfindet, kcineswcges verwerfen und verachten, wofern wirnicht den Geist Gottes verschmähen wollen. Denn mankann- die Gaben des Geistes nicht gering schätzen, ohne ihnselbst zu verachten und zu schmähen. Wie nun? Wollen wirdas Licht der Wahrheit den Rcchtsgelehrten der Vorzeit ab-sprechen, welche mit so viel Sinn für Recht und BilligkeitGesetze zur Erhaltung der bürgerlichen Ordnung entwarfen?Wollen wir die Philosophen für verblendet erklären, bei >ihrer ausgezeichneten Betrachtung und kunstreichen Beschrei-bung der Natur? Wollen wir denen die Vernunft streitigmachen, die durch Entwicklung der Redekunst uns mit Ord-nung reden gelehrt haben? Wollen wir diejenigen der Per-nunftlosigkeit beschuldigen, welche durch Ausbildung derHeilkunde, und durch ihre Forschungen in derselben unsSegen brachten? Wie, wollen wir alle mathematischen Wis-senschaften für Auswüchse einer unsinnigen Schwärmereihalten? Vielmehr können wir die Schriften der Alten überdjese Wissenschaften nur mit der größten Bewunderung le-sen, und zu dieser zwingt uns die Anerkcnntniß ihrer Vor-trcfflichkeit. Aber werden wir etwas als lobenswürdig odervortrefflich erkennen, ohne es als von Gott kommend zubetrachten? Eines solchen Undanks sollten wir uns schä-men, dessen sich nicht einmal die heidnischen Dichter schul-dig gemacht haben, welche Philosophie, Gesetze und alleschönen Künste von den Göttern herleiteten. Da nun die-