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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
Entstehung
Seite
262
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Maaße verbleibt; so dürfen wir doch von keiner völlig ge-sunden und hellen Seele reden; diese ist vielmehr schwach unddurch allerlei Irrthum verdüstert, und die Verkehrtheit desWillens mehr als genug bekannt. Die Vernunft, mit welcherder Mensch Gutes und Böses unterscheidet, erkennt undurtheilt, konnte, da sie eine natürliche Gabe ist, nicht gänz-lich vertilgt werden, aber geschwächt und verderbt wurdesie, wie solche Verdcrbniß am Tage liegt. In dieser Rück-sicht sagt Johannes ch:das Licht scheinet noch in der Fin-sterniß, aber die Finsterniß hat es nicht begriffen", mitwelchen Worten beides ausgedrückt wird: daß in der ver-derbten und entarteten Menschennatur noch einige Fünkleinschimmern, welche den Menschen als ein vernünftiges undüber die vernunftlosen Thiere erhabenes Geschöpf darstel-len, und: daß dennoch dieses Licht von der düstern Nachtalso gedrückt sey, daß es nicht kraftig hervortreten könne.Eben so wenig ging der Wille verloren, weil er von derMenschennatnr unzertrennlich ist; aber er ist so von bösenLüsten gefesselt, daß er das Gute nicht erstreben kann. Die-sen allgemeinen Bemerkungen, welche das Ganze der Un-tersuchung zusammenfassen, muß nun eine ausführlichereDarstellung folgen, wobei ich den Gang nehme, welchenjene Eintheilung anweiset, wonach die menschliche Seele inErkenntniß - und Willensvermögcn geschieden ward. Eslenkt sich also die Betrachtung zuerst auf das Erkenntniß-Vermögen. Der Vernunft eine gänzliche Blindheit vorzu-zuwerfen, und dem Menschen durchaus alle Erkenntniß ab-zusprechen, ist nicht nur dem Worte Gottes, sondern auchder allgemeinen Erfahrung zuwider. Denn wir finden, daßdem menschlichen Geiste ein gewisses Verlangen eingepflanztist, die Wahrheit zu erforschen, wonach er doch unmöglichstreben könnte, wenn er nicht schon eine Ahndung davonhätte. Schon das zeugt also von einiger Erkenntniß in demMenschen, daß eine natürliche Liebe zur Wahrheit ihn treibt,

j) Eoang. Loh. s.