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denken, auf daß wer Gottes Gerechtigkeit erkennen"; undzeigt, „wie Gott deßhalb seine Gnade uns so sehr preise,damit wir erkennen sollen, daß wir nichts sind. Nur durchGottes Barmherzigkeit bestehen wir, da wir von Natur bö-se sind." Hier also lasset uns nicht mit Gott rechten, alsoh, was ihm gegeben wird, unserm Heil abgienge. Dennwie unsere Niedrigkeit seine Erhöhung ist, so gewinnt dasBekenntniß derselben uns zur Rettung seine Erbarmung.Jedoch fordere ich nicht, daß der Mensch, ohne Ueberzeu-gung sich erniedrige, und von den Kräften, die er etwabesitzt, sich hinwegwende, um der wahren Demuth sich zuunterwerfen; sondern daß er, befreit von der Krankheitder Eigenliebe und des Hochmuths, die ihn verblendet, hö-her von sich zu halten, als sich gebührt, in dem wahrhaf-ten Spiegel der Schrift sich selbst gründlich erkennen lerne.
12. Der allgemein angenommenen, von Augustinns ent-lehnten Meinung trete ich bei, daß die natürlichen Gabendurch die Sünde im Menschen verdorben, die übernatürli-chen aber bei ihm verloren gegangen seyen. Unter diesenletztern versteht man das Licht des Glaubens, und die Ge-rechtigkeit, welche zur Erlangung des himmlischen LebensU»d der ewigen. Seligkeit zureichend seyn würden. DerMensch verlor also durch seinen Anstritt aus dem Reiche-Gottes zugleich die geistigen Gaben, welche ihm zur Hoff-nung ewigen Heils, verliehen waren ; und daraus folgt, erhabe sich dergestalt von Gott entfremdet, daß alles, waszu einem seligen Leben gehört, in ihm erloschen ist, bis eres durch die Gnade der Erneuerung wieder gewinnt, näm-lich Glaube, Liebe gegen Gott und den Nächsten, wahrhaf-tige Heiligkeit und Gerechtigkeit. Alle diese Gaben gelten,da Christus sie uns wieder verschafft, für zukommliche undübernatürliche; woraus wir ersehen, daß sie verloren ge-gangen waren. Mit ihnen zugleich das Licht der Vernunftund die Einfalt des Herzens, untr das ist die Verderbungder natürlichen Gaben. Denn weM auch Einsicht und llc-herlcgung sammt dem Willen dezy Menschen noch ig einiger