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auswähle, was meine Meinung begünstige, das davon Ab-weichende aber schlau übergehe: so will ich damit aufhören.Jedoch die Behauptung wage ich: sie haben, wie oft auchdie Freiheit des Willens von ihnen etwas zu sehr gepriesenist, doch keine andere Absicht gehabt, als den Menschenvon dem Vertrauen auf eigenes Vermögen abzuführen, undihn zu überzeugen, wie Gott allein sein Hort und seineStärke sey. Jetzt komme ich zur einfachen Entwickelungder Wahrheit bei Betrachtung der menschlichen Natur.
10. Was indessen zu Anfange dieses zweiten Buchs gesagtworden ist, daran muß hier nothwendig wieder erinnertwerden: daß ein Mensch nur dann zur rechten Selbster-kenntniß gelangt isi, wenn das Bewußtseyn seines Elendes,seiner Armuth, seiner Hülflosigkeit und Schande ihn gedc-müthigt und bestürzt hat. Denn es ist nicht zu besorgen,daß der Mensch sich zu viel entäußere, wenn er nur er-kennt, daß in Gott das Verlorene wieder zu gewinnen sey.Aber auch nicht einmal das Geringste kann der Mensch wi-derrechtlich sich anmaßen, ohne durch diese thörichte Ver-messcnheit sich ins Unheil zu stürzen, und dadurch, daß erGott die Ehre raubt und sich zueignet, sich eines abscheu-lichen Gottesraubes schuldig zu machen. Und wahrlich, sooft die Lust uns anwandelt, nach etwas eigenem zu trachten,was viel mehr in uns,, als in Gott wohne: kein Andererflüstert diesen Gedanken uns zu, als der auch die erstenMenschen zu dem Wunsche verleitete, wie Gott zu seyn, undzu wissen, was gut und böse ist. Ein solches teuflischesWort, das im Innern des Menschen eine Sclbsterhebung ver-anlaßt, mögen wir von uns weisen, so lange wir nicht vonunserm Feinde uns wollen rathen lassen. Freilich schmeichelt esuns, so viel eigene Kraft zu besitzen, daß man auf sich selbstsich verlassen könne; aber vor solchem vermessenen Selbstver-trauen warnen uns so viele wichtige Stellen der Schrift, dieernstlich zur Demuth rufen. Dergleichen sind'): „Ber-
ti Jer. t7, 5.