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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
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Kräfte der Willensfreiheit empfangen, aber sie durch dieSünde verloren." Daher eifert er auch an einem andernOrte, nachdem er zuvor bewiesen hat, daß der freie Willeerst durch die Gnade vorhanden sey, heftig gegen diejeni-gen, welche sich ihn ohne die Gnade anmaßen.Wie wa-gen es doch sagt er die armen Menschen, ans denfreien Willen stolz zu seyn, bevor sie frei sind, oder aufihre Kräfte, wenn sie schon befreit sind? Sie merken nicht,daß in dem Ausdruckfreier Wille" das Wortfrei"besonders hervortöne. Wo aber der Geist des Herrn ist,da ist Freiheit. (2 Cor. 3, 17.) Wenn sie nun Knechte derSünde sind, warum wähnen sie sich des freien Willens?Von wem jemand besiegt ist, dessen Diener ist er auch.Wenn sie aber befreit sind, warum rühmen sie sich dessenals ihres eigenen Werks? Oder sind sie dergestalt frei, daßsie auch nicht Diener dessen seyn wollen, der sagt:ohnemich könnet ihr nichts thun ?" (Joh. 15, 5.) Darumscheint er auch anderswo mit dem Gebrauche dieses Worteszu scherzen, wenn er sagt:frei zwar sey der Wille, abernicht befreit, frei von der Gerechtigkeit, aber ein Knechtder Sünde." Dasselbe wiederholt und erklärt er auch beieiner andern Gelegenheit, wo er sagt:frei von der Ge-rechtigkeit sey der Mensch nur durch die Freiheit dos Wil-lens, aber von der Sünde könne er nur frei werden durchdie Gnade des Erlösers." Wer unter der Freiheit des Men-schen nur eine Entlassung ans dem Dienste der Gerechtig-keit versteht, der scheint mit dem leeren Worte seinen Spottzu treiben. Wenn daher jemand dieses Wort nicht in ver-kehrtem Sinne gebraucht, so will ich ihn deßhalb nicht drän-gen; aber weil ich glaube, daß es ohne große Gefahr nichtbeibehalten werden kann, und die Abschaffung desselben derKirche großen Segen bringen würde: so mögte ich lieberselbst es nicht gebrauchen, und auch Andern den Gebrauchdesselben widerrathen.

9. Vielleicht habe ich ein Vorurtheil dadurch gegen micherregt, daß ich alle Kirchenväter, außer Angustin, einer