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konnte. Dies beides mußte ich kürzlich anführen, damitder Leser hier schon bemerke, wie sehr ich von den Meinun-gen selbst der bessern Scholastiker abweiche: denn ein nochweit größerer Unterschied ist zwischen mir und den neuernSophisten, die in der Lehre noch mehr von der alten Ein-falt abgekommen sind. Aus dieser Eintheilung sehen wirdoch einigermaßen, in welcher Beziehung sie dem Menschenfreien Willen zugeschrieben haben. Denn Lombardus') sagt:„nicht deßwegen haben wir freien Willen, weil wir zumThun und Denken des Guten und Bösen ein völlig gleichesVermögen haben, sondern nur, weil wir vom Zwange freisind; welche Freiheit nicht aufgehoben wird, ob wir schonverderbt sind und Knechte der Sünde, und nichts als sün-digen können."
7. Auf solche Weise mag dem Menschen immerhin freierWille zugeschrieben werden, nicht, weil er die freie Wahldes Guten und Bösen hat, sondern weil er mit seinem Wil-len und nicht aus Zwang das Böse thut. Das ist zwarganz richtig; aber was bedürfte es zur Bezeichnung einersolchen Kleinigkeit eines so prangenden Namens? Eineherrliche Freiheit, wenn der Mensch zwar nicht zum Snn-dendicnste gezwungen wird, aber ein so freiwilliger Sklaveist, daß sein Wille in den Fesseln der Sünde liegt! Ichverabscheue alles Wortgezank, durch welches ganz nutzlosder Friede der Kirche gestört wird; aber ich glaube, daßman dergleichen Wörter sorgsam meiden müsse, die nachUnsinn lauten, besonders da, wo verderbliche Irrthümerobwalten. Wie manchen gibt es, der, wenn er dem Men-schen freien Willen beilegen hört, nicht auch sogleich darausden Schluß ziehe, daß er Herr seiner Vernunft und seinesWillens sey, und als solcher durch sich selbst zum Gutenoder Bösen sich wenden könne? Durch sorgfältige Beleh-rung des Volks, wird man sagen, kann solche Besorgnißleicht gehoben werden. Nicht doch; vielmehr da der Mensch
t) Semem. Ub. 2. älsr. 25.