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dic Gnade auf gleiche Weise und ohne Unterschied dargcge-bcn sey. Aber es ist dabei noch nicht recht klar, ob derMensch gänzlich unfähig zum Guten sey, oder ob er dazunoch einiges, wenn auch schwaches Vermögen habe, das fürsich allein zwar nichts ausrichten könne, aber mit Hülfeder Gnade auch das Seinige thue. Indem Petrus Lombar-dsin seinem Buche senterwmrrnn diese Bedenken besei-tigen will, so lehrt er, daß wir eine doppelte Gnade nö-thig haben, um zu einem guten Werke geschickt zu werden.Die eine nennt er die wirkende, welche uns zum thäti-gen Wollen des Guten führt, die andere die mitwirken-de, welche dem guten Willen folgt und ihn unterstützt. Beidieser Eintheilung ist es mir anstößig, daß der Verfasser,indem er das thätige Wollen des Guten von der GnadeGottes ableitet, dabei zu verstehen giebt, der Mensch könneschon gewissermaßen von Ratnr nach dem Guten ohne Erfolgverlangen; so wie auch Bernhard den guten Willen zwarfür ein Werk Gottes erklärt, aber dem Menschen doch dasVermögen einräumt, nach dem guten Willen aus eigenerAnregung zu verlangen. Aber das ist gar nicht Augustin'sMeinung, von dem doch Lombardus diese Eintheilung ent-lehnt haben will. Auch finde ich im zweiten Gliede dersel-ben eine auffallende Zweideutigkeit, welche eine falsche Aus-legung und die Meinung bei Einigen veranlaßt hat, alsob wir bei der andern Gnade Gottes mitwirken, weil unsdas Recht zustehe, dic erste Gnade entweder durch Wider-stand unwirksam oder durch Gehorsam wirksam zu machen.Darüber läßt der Verfasser des Buchs-) „von der Beru-fung der Heiden" sich also vernehmen: „Denen, welche demUrtheil der Vernunft folgen, stehet es frei, dic Gnade zuverwerfen;" so daß es für eine belohnungswürdige Tbatgilt, sie nicht verworfen zu haben, das dagegen, was nurunter Mitwirkung des Geistes geschehen kann, denen zumVorwürfe gereicht, mit deren Willen es nicht geschehen
1) Dib. 2. ilksl. 16. 2) Dib- 2- 4.